Oldenburg - Not macht erfinderisch. Weil der ursprünglich für solche Zwecke vorgesehene Raum belegt war, verlegten die EWE Baskets Oldenburg ihre Pressekonferenz zum ersten Playoff-Heimspiel gegen Alba Berlin an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/Sport 1) kurzerhand in die Trainingshalle des Basketball-Bundesligisten. Dort standen am Dienstag aus dem Sportunterricht in der Schule bekannte Holzbänke für die Journalisten bereit, für Trainer Mladen Drijencic und Spieler Robin Smeulders waren immerhin Stühle und ein kleiner Tisch organisiert worden.
Improvisationstalent ist an diesem Mittwoch auch von Drijencic gefordert. Dem Oldenburger Coach steht bei dem Vorhaben, in der Serie zum 1:1 auszugleichen, nur ein dezimierter Kader zur Verfügung. Gleich drei Spieler erlitten bei der unglücklichen 90:95-Niederlage in Berlin zum Serien-Auftakt am Sonntag mehr oder minder schwere Blessuren, in Maurice Stuckey fällt ein Akteur sicher aus (Schulterverletzung).
Ob Center Philipp Neumann nach seinem bösen Sturz im ersten Spiel schon wieder mitwirken kann, wird sich erst kurzfristig entscheiden. „Philipp steht weiter unter medizinischer Beobachtung“, sagte Drijencic: „Erst wenn die Ärzte grünes Licht geben und er vollständig belastbar ist, werde ich über seinen Einsatz nachdenken.“
Nemanja Aleksandrov wiederum wird seit Sonntag von einem Pferdekuss im Oberschenkel geplagt, der Einsatz des Serben an diesem Mittwoch scheint aber nicht gefährdet. „Höchstwahrscheinlich“ werde Aleksandrov auflaufen, meinte Drijencic.
Auch wenn beim Oldenburger Trainer der Ärger über die harte Berliner Spielweise auch am Dienstag noch nicht vollends verraucht war („Dass drei meiner Spieler verletzt ausscheiden müssen, ist nicht normal“), wollte sich Drijencic nicht länger mit Lamentieren über die angespannte Personalsituation aufhalten. „Die Lage ist wie sie ist“, sagte der Deutsch-Kroate und forderte eine Trotzreaktion: „Jetzt müssen die anderen Spieler ihr Maximum geben, um die Ausfälle zu kompensieren.“
In die gleiche Kerbe schlug Smeulders. „Jetzt sind diejenigen gefordert, die zuletzt nicht so häufig zum Einsatz gekommen sind“, sagte der 27-Jährige. Dabei wird es an diesem Mittwoch in der großen Arena auch auf ihn selbst ankommen. Der niederländische Nationalspieler mit deutschem Pass soll wie schon in Spiel eins die Kreise von Berlins Superstar Jamel McLean einengen. Am Sonntag gelang Smeulders dies vorzüglich, zudem setzte er mit 13 Punkten auch in der Offensive einige Akzente. „Das gibt Selbstvertrauen“, sagte der Power Forward, der den früheren Bonner McLean aus vielen direkten Duellen aus den zahlreichen Partien zwischen Oldenburg und Bonn bestens kennt: „Es macht immer Spaß gegen ihn zu spielen.“
Spaß machte den Baskets das erste Spiel in Berlin nur 37 Minuten lang – dann folgte ein Ballverlust dem nächsten und Alba münzte einen Zehn-Punkte-Rückstand in einen nicht mehr für möglichen gehaltenen Sieg um. „In der Analyse hatten wir die komfortable Situation, dass wir uns nur mit den letzten drei Minuten beschäftigen mussten“, meinte Drijencic mit einem Augenzwinkern.
„Wir waren alle niedergeschlagen, weil wir das Ding hätten gewinnen müssen“, sagte Smeulders. Mittlerweile habe die Mannschaft ihre Zuversicht wiedergefunden. „Die Stimmung im Team ist sehr gut“, sagte Drijencic: „Wir wollen ein gutes Spiel zeigen – und hoffen diesmal auf einen besseren Ausgang.“
