GöTTINGEN/OLDENBURG - Lokhalle Göttingen. Wo einst die mächtigen Lokomotiven für ihren Einsatz unter Dampf gesetzt wurden, machen jetzt die Basketballer der BG Göttingen Dampf. Und wie. Diese Erfahrung mussten am Donnerstagabend die Spieler des Bundesliga-Tabellenführers EWE Baskets Oldenburg machen, die das Spitzenspiel der Liga 66:79 verloren und mit dem Gegner den Platz tauschen mussten.
Dabei war den Oldenburgern im Vorfeld durchaus bewusst, was sie erwarten würde: Pressdeckung über das gesamte Feld heißt die Zauberformel der Truppe von Trainer John Patrick. Gewissenhaft hatte Baskets-Coach Predrag Krunic seine Mannen auf diese Defensivstrategie vorbereitet. Aber Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge, wie sich wieder einmal zeigen sollte. Während Göttingen seine Arbeit in der Defensive und später auch ganz entgegen den letzten Spielen in der Offensive mit Begeisterung und zur Zufriedenheit von Patrick erfüllte, konnten die Oldenburger die Vorgaben ihres Trainers nicht umsetzen.
Aufbauspieler Jason Gardner zeigte bei ihm selten zu sehende technische Fehler ebenso wie Rickey Paulding, Je'Kel Foster oder Jasmin Perkovic. 22 Ballverluste der Baskets verdeutlichen das Manko der Gäste. Im Spiel der Baskets war zu wenig Begeisterung und zu wenig Bewegung, um die Räume zu nutzen, die durch die offensive Verteidigung der Gastgeber entstanden. Zu viel wurde darüber nachgedacht, wie die Göttinger gepackt werden könnten, statt nur direkt und schnell zu spielen.
Zu selten wurden die Größenvorteile genutzt. Im Gegenteil: Nach dem guten Anfang (12:6/4.) gaben die Oldenburger die Hoheit unter den Körben ab. Göttingen holte sich 38 Rebounds, Oldenburg nur 24. Vor allem der just genesene Roderick Trice (8 Rebounds/17 Punkte) machte den Baskets zu schaffen. Aber auch Chris Oliver und Kyle Bailey nervten Gardner und Co. merklich und mächtig. „Die Reboundschwäche war ein Grund für die Niederlage“, analysierte Krunic, der sich gar nicht erst bemühte, die Schiedsrichter als Alibi zu nennen.
Ein zweiter Grund der Pleite: Den Baskets fehlte es an der gedanklichen und körperlichen Frische, die in diesem intensiv geführten Spiel nötig gewesen wäre. Vor allem in Abschnitt eins blieben sie weit hinter ihren Möglichkeiten, während die Gastgeber über sich hinauswuchsen.
Im zweiten Abschnitt (38:36 für die Baskets) steigerten sich die Gäste etwas. Nach 24 Minuten hätte es sogar zur Wende kommen können, wenn die Bälle ihren Weg in den BG-Korb gefunden hätten. Aber auch hier haperte es an diesem Abend, denn nur neun Dreier bei 29 Versuchen fanden ins Ziel. Anders bei den Gastgebern: Denen gelang fast alles. Und sie spielten weiter mit viel Dampf – bis zum bitteren Ende für die Oldenburger, die enttäuscht das Weite suchten.
