Oldenburg - Wie groß die Erleichterung war, wurde vor allem auf der obligatorischen Ehrenrunde nach dem Spiel deutlich. Hier eine Umarmung, da ein Gruß ins Publikum und immer wieder ein befreites Lachen: Den EWE Baskets Oldenburg war nach dem geglückten Einzug ins Playoff-Halbfinale der Basketball-Bundesliga ein mittelschwerer Stein vom Herzen gefallen.
Mit 89:80 (42:43) gewann die Mannschaft die Trainer Sebastian Machowski am Sonnabendabend das entscheidenden fünfte Spiel der Viertelfinal-Serie gegen die Baskets Bonn und darf sich nun auf mindestens drei weitere Spiele in dieser Saison freuen. Die Vorschlussrunde gegen RP Ulm beginnt bereits an diesem Dienstag - erneut mit einem Heimspiel (20 Uhr, große EWE-Arena).
Bis dahin gilt es vor allem, die leeren Energievorräte wieder aufzufüllen - denn die Serie gegen Bonn hat einiges an Kraft gekostet. Auch Spiel Nummer fünf war bis zum Ende heiß umkämpft, Gewissheit über den Erfolg hatten die Oldenburger erst 17 Sekunden vor der Schlusssirene, als Bonns Benas Veikalas seinen Dreipunkteversuch beim Stand von 85:80 danebensetzte.
„Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen. Wir haben die Bonner niedergekämpft,“, sagte Machowski, der entgegen seiner Gepflogenheiten nach dem Spiel in Rickey Paulding einen Spieler ganz besonders hervorhob. „Er hat in der zweiten Halbzeit zwei ganz wichtige Dreier getroffen. Auf ihn konnten wir uns heute verlassen.“
In der Tat war es der Kapitän, der in diesem Duell neben Chris Kramer - mit 20 Punkten bester Werfer - die entscheidenden Akzente setzte. Nach einer ganz schwachen ersten Halbzeit ohne einen einzigen Punkt, ging der Flügelspieler in einer kritischen Phase nach der Pause (42:48) voran und setzte mit zwei verwandelten Dreiern zum 55:54 (25.) die Initialzündung. Die mit 5920 Zuschauern fast ausverkaufte große EWE-Arena kochte nun - Oldenburg hatte endlich den Faden wieder gefunden, den sie zuvor zeitweise verloren hatten.
Die Baskets erwischten nämlich einen guten Start in die Partie, verteidigten aggressiv und kamen immer wieder unter dem Korb zum Erfolg. Doch nach dem 15:8 (5.) lehnten sich die Hausherren etwas zu sehr zurück und ließen die Gäste durch nicht mehr ganz so konsequente Verteidigung und einigen Ballverlusten herankommen. Bonn, sehr beweglich in der Offensive, bekam nun Oberwasser und lag ab Mitte des Viertels wieder in Führung (30:28, 15.). Diesem knappen Rückstand liefen die Oldenburger bis zur Pause hinterher.
„In der Kabine haben wir uns gesagt, dass wir jetzt noch einmal eine Schippe an Intensität drauflegen müssen“, meinte Paulding. Und das Vorhaben gelang: Oldenburg wehrte sich nun vehement gegen das drohende Saisonende - allen voran Chris Kramer. Der US-Amerikaner verhinderte zunächst im Zurücklaufen scheinbar sichere Punkte der Bonner und klaute dem Gegner nach dem folgenden Einwurf den Ball.
Die nun höhere Aggressivität der Machowski-Schützlinge drückte sich auch im Reboundverhältnis aus. Lag man zur Pause in dieser Statistik noch mit 11:14 zurück, hatten sich die Gastgeber am Ende acht vom Korb abprallende Bälle mehr als die Bonner gesichert (37:29).
Der Knoten war nach den Dreiern von Paulding geplatzt, Julius Jenkins und der an diesem Abend starke Dominik Bahiense de Mello machten es ihrem Kapitän nach und bauten den Vorsprung so auf elf Punkte aus. Bonn schien erstmals an diesem Abend beeindruckt, kam aber auch im finalen Abschnitt noch einmal zurück. Als die Gäste auf 73:76 (37.) verkürzt hatte, hielt es Konrad Wysocki nicht mehr auf seinem Platz auf der Auswechselbank. Wild gestikulierend tigerte der Flügelspieler auf und ab und schrie immer wieder Anweisungen auf das Spielfeld.
Keine Frage: In dieser Phase hätte die Partie noch einmal kippen können. Doch dann war es wieder Paulding, der die Seinen mit einem spektakulären Dreier zum 79:73 wieder in die Spur brachte. Nach Veikalas’ Fehlwurf konnte die Party in der Arena beginnen.
„Ich denke, dass wir uns letztendlich verdient durchgesetzt haben“, sagte Machowski. Dominik Bahiense de Mello musste nach dem Spiel erst einmal durchpusten. „Klar, wir sind unglaublich erleichtert. Bonn hat es uns in dieser Serie wahnsinnig schwer gemacht. Vor allem für ihre Leistungen zu Hause muss man den Hut ziehen. Am Ende haben wir aber den längeren Atem bewiesen und gezeigt, dass wir die bessere Mannschaft sind“, sagte der Flügelspieler und richtete den Blick bereits Richtung Halbfinale: „Da ist alles offen. Wir müssen uns vor Ulm nicht verstecken.“
