Herr Stuckey, sechs Spieltage vor Ende der Hauptrunde liegen Sie mit Würzburg vier Punkte hinter Platz acht. Wie viele Spiele muss Würzburg gewinnen, damit es noch etwas wird mit den Playoffs?
Maurice Stuckey (27) Am besten alle.
Dann müssen Sie an diesem Samstag in Oldenburg damit anfangen.
StuckeyDas wird nicht leicht, aber wir kommen mit breiter Brust nach Oldenburg und werden alles für den Sieg geben. Unser Restprogramm ist nicht ohne, aber für unsere Konkurrenten geht es auch noch gegen schwere Gegner. Wenn wir unsere Hausaufgaben erledigen, können wir es noch in die Playoffs schaffen.
Zuletzt kam es knüppeldick für Würzburg: Die Leistungsträger Robin Benzing und Kresimir Loncar verletzten sich schwer, Trainer Dirk Bauermann kündigte seinen Abschied an. Danach gab es eine knappe Niederlage beim Tabellenzweiten Berlin und vergangene Woche einen Kantersieg gegen Braunschweig. Ist eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung entstanden?
StuckeyIn solchen Situationen muss man als Team noch enger zusammenrücken, das haben wir gemacht. In den letzten beiden Spielen sah es ganz gut aus, das stimmt. Allerdings haben wir in Berlin verloren, obwohl wir schon mit 13 Punkten vorn lagen. Das war sehr frustrierend. Wir hatten alles im Griff und standen am Ende mit leeren Händen da – leider ist uns das nicht zum ersten Mal in dieser Saison passiert.
Beim jüngsten Heimspiel gab es Proteste von Fans, die den sofortigen Rauswurf Bauermanns forderten. Wie geht man als Spieler mit einer solchen Situation um?
StuckeyMir war klar, dass es eine Reaktion der Fans geben wird. Letztendlich war es aber nicht so heftig wie einige befürchtet hatten. Ich habe die Rufe und Transparente zwar wahrgenommen, meine Konzentration hat das aber nicht beeinflusst.
Bauermann hatte den Trainerposten in Würzburg Ende 2016 mit großen Ambitionen angetreten, jetzt verlässt er den Club im Sommer in Richtung China. Sind Sie enttäuscht darüber?
StuckeyAch was. Man hat in diesem Geschäft halt nur begrenzte Zeit, um gewisse Dinge zu machen. Wenn er dies als große persönliche Chance für sich begreift, kann ich ihm doch nicht böse sein, wenn er diese wahrnehmen möchte.
Sie sind zur Saison 2015/16 von den Baskets Oldenburg zurück nach Würzburg gewechselt. Inzwischen zählen Sie zu den besten deutschen Spielern auf den Guard-Positionen. Hätten Sie diese Entwicklung auch in Oldenburg genommen?
StuckeyDas weiß man nie. Darf ich an dieser Stelle mal eine Sache klarstellen?
Gern.
StuckeyEs wurde oft geschrieben, dass ich mich in Oldenburg nicht so wohl gefühlt habe und aus Heimweh in meine Heimat zurückgekehrt bin. Oder dass ich mit Mladen Drijencic nicht zurechtgekommen wäre. Das ist völliger Blödsinn. Sebastian Machowski hatte mich damals nach Oldenburg geholt, dann gab es gegen Ende der Saison den Trainerwechsel. Mladen erklärte mir dann ganz offen, dass er andere Pläne für meine Position hat. Daraufhin habe ich die Konsequenzen gezogen und um Auflösung meines Vertrags gebeten. Das lief sehr professionell ab, da ist überhaupt nichts hängengeblieben.
Also war es für Sie kein verlorenes Jahr in Oldenburg?
StuckeyÜberhaupt nicht. Ich habe bei den Baskets mit großartigen Spielern wie Rickey Paulding und Julius Jenkins zusammengespielt, von ihnen konnte ich mir viel abschauen. Außerdem haben wir in der Saison ja den Pokal gewonnen, das war ein sehr schönes Erlebnis. Insgesamt war es ein sehr schönes Jahr in Oldenburg, ich kehre am Samstag mit einem Lächeln in diese Halle zurück.
Es kursieren Gerüchte, wonach Sie Würzburg am Ende dieser Saison verlassen und zu Alba Berlin wechseln. Was ist da dran?
StuckeyEs ist manchmal lustig, wenn andere Leute mehr über mich wissen als ich selbst. Fakt ist: Ich bin nicht in Berlin und konzentriere mich jetzt zu einhundert Prozent auf den Saisonendspurt mit Würzburg. Wir haben noch ein Ziel – das wollen wir erreichen. Nichts anderes interessiert mich aktuell.
