Oldenburg - In der Basketball-Bundesliga (BBL) sind die Reaktionen darauf, dass die Saison möglicherweise im Juni mit einem etwa drei Wochen dauernden Meisterschaftsturnier an einem Ort fortgesetzt werden soll, meist positiv. Außerhalb dieses Systems – beispielsweise bei den Fans – werden die Töne kritischer.

„Ich glaube, es wäre für die Bundesliga gefährlich, wenn sie nicht weiterspielen könnte“, sagt Karsten Tadda von den EWE Baskets Oldenburg: „Außerdem kann ich es kaum erwarten, wieder zu spielen.“ Aufgrund der Corona-Krise hatte die BBL den Spielbetrieb Anfang März vorerst eingestellt, zu dem Zeitpunkt waren etwa zwei Drittel der Hauptrunde absolviert.

Die BBL-Spitze und die 17 Clubs hatten sich am Montag darauf geeinigt, dass zehn Teams bei einem Turnier ohne Zuschauer den deutschen Meister ermitteln sollen. Dies sind neben den Oldenburgern und Rasta Vechta noch Bayern München, Riesen Ludwigsburg, Merlins Crailsheim, Alba Berlin, Brose Bamberg, BG Göttingen, RP Ulm und die Frankfurt Skyliners. Für die übrigen sieben Mannschaften ist die Saison beendet, einen Absteiger gibt es nicht. Wo gespielt wird, ist noch offen. Außer den Oldenburgern haben noch die Münchner, Ulmer und Frankfurter ihr Interesse an der Ausrichtung bekundet. Eine Entscheidung soll am Montag fallen. Ob das Turnier – die Partien würden kostenpflichtig im Netz übertragen werden – überhaupt stattfindet, ist von der Zustimmung der Politik abhängig.

„Was mich als Coach überzeugt bei dem Weg, der nun beschritten werden soll: Nur unter Einhaltung aller erforderlichen medizinischen Vorgaben eines Hygienekonzepts wird dieses Turnier stattfinden“, sagt Baskets-Trainer Mladen Drijencic und spricht von einer „Ausnahmesituation“. „Jeder Profisportler und wir Trainer wollen unbedingt wieder arbeiten“, sagt Rasta-Trainer Pedro Calles: „Das macht aber nur Sinn, wenn die BBL alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen trifft, um die Gesundheit aller an diesem Turnier Beteiligten zu gewährleisten.“

Calles hätte beim Zustandekommen des Turniers noch die Aufgabe, ein Team zusammenzustellen. Denn mehrere US-Profis haben ihre Verträge bereits aufgelöst und Vechta verlassen. Andere, mit denen Rückhol-Optionen vereinbart wurden, würden wiederkommen. Das wäre aber aufgrund von Reisebeschränkungen und Quarantäne-Regeln nicht so einfach wie sonst.

Jannik Wiggers-von Staa, Vorsitzender des Baskets-Fanclubs „Thunderstorm“, berichtet mit Blick auf den Sinn eines Turniers von zwei Strömungen in der Fanszene. „Es gibt ein Lager, das allerdings kleiner ist, das sich freut, dass der Sport, den wir so lieben, endlich wieder stattfindet“, sagt er: „Die gegensätzliche und größere Gruppe ist allerdings der Meinung, dass der sportliche Wert eines solchen Turniers gleich Null ist und der damit verbundene Aufwand vermutlich nicht das Risiko aufwiegt, dem sich Spieler und Verantwortliche dort aussetzen.“ Er selber sehe sich „eher in der zweiten Gruppe“.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)
Niklas Benter
Niklas Benter Sportredaktion