OLDENBURG - Nathan Peavy ist ein netter Mensch. Der Flügelspieler der Artland Dragons Quakenbrück hätte die 81:99 (48:50)-Niederlage der EWE Baskets Oldenburg im Derby der Basketball-Bundesliga gegen die Dragons zu einer Demütigung machen können. Er aber vergab in letzter Sekunde zwei Freiwürfe, so dass sein Team unter der 100-Punkte-Grenze blieb. Den Gästefans in der am Sonnabend mit 3148 Zuschauern ausverkauften EWE-Arena war dies egal. Sie feierten lange vor dem Ende, einige Oldenburger hatten da schon die Halle verlassen. Wohlwissend, dass ihr Team zurzeit nur Mittelmaß ist, was auch der zehnte Platz belegt.
Den Gastgebern hatte die Niederlage heftig zugesetzt. Da fehlte die Aggressivität, meinte Baskets-Geschäftsführer Hermann Schüller und ergänzte: Das war zu wenig für ein Derby! Mit dieser Meinung stand er nicht alleine.
Eine Hälfte lang durften auch die Baskets auf einen Sieg in dem Prestigeduell hoffen. Aber nur, weil sich beide Mannschaften einig waren und die Arbeit in der Defensive verweigerten. In der Offensive hatten die Spieler so gut wie keine Gegenwehr zu überwinden, um erfolgreich zu sein. Nach einer 20:13-Führung (7. Minute) lagen die Baskets zum Ende des ersten Viertels mit 24:22 vorne.
Im zweiten Abschnitt deutete sich an, welche Faktoren dieses Spiel entscheiden sollten: Die weiter miserable Abwehrleistung der Baskets, ihr fehlender Kampfgeist und die Zonenverteidigung der Gäste. Ihr standen die Oldenburger weitgehend rat- und hilflos gegenüber, so dass sie oft zu Notwürfen ansetzen mussten, um nicht die Angriffszeit zu überschreiten.
Quakenbrück glich aus (37:37/16.), geriet noch einmal ins Hintertreffen, um ab dem 46:45 das Spiel zu bestimmen. Das fiel leicht gegen lustlose Oldenburger, die nicht in Derbylaune waren.
Ganz deutlich wurden die Unterschiede zwischen beiden Teams in der zweiten Hälfte. Oldenburg war körperlich präsent, konnte den Dragons aber nicht mehr gefährlich werden. Die ihrerseits versprühten jetzt Feuer. Sie gingen bei ihrer Zonenverteidigung aggressiver zu Werke und agierten in der Offensive nun als kompakte Einheit, die es verstand, mit variablen Aktionen die Oldenburger zu Statisten zu degradieren. David Holston, Anthony King, Darren Fenn und Brandon Thomas nutzten die Freiräume, die ihnen Adam Chubb und Co. unter den Körben boten, um sich über die Zwischenstände 72:58 (26.) und 88:72 (35.) den klaren Sieg zu holen.
99 Punkte in eigener Halle zu kassieren, sind zu viele, meinte Ronnie Burrell selbstkritisch. Und auf die Frage, warum die Baskets kaum Kampfkraft in die Waagschale geworfen hatten, wusste Rickey Paulding keine Antwort.
Eine Antwort auf die Frage, wie er nach dem Wechsel die Gäste noch hätte stoppen können, hatte auch Trainer Predrag Krunic nicht. Nur einmal wechselte er noch aus. Er hatte wohl erkannt, dass seine Mannschaft nie zu ihrem Rhythmus gefunden hatte und sie nicht die mentale Stärke besaß, die ein solches Derby verlangt.
So war es nur gut, dass Peavy am Ende nicht traf und wenigstens die dreistellige Niederlage verhindert wurde.
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