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NWZonline.de Sport Basketball EWE Baskets

Großer Abend löst große Emotionen aus

16.02.2019

Oldenburg Philipp Schwethelm sprach von einem „geilen Abend“, Clubchef Hermann Schüller nannte es „historisch“ und Trainer Mladen Drijencic konnte es unmittelbar nach Spielende selbst kaum fassen. „Was soll man sagen? Wahrscheinlich haben wir fast Unmögliches geschafft. Das ist die beste Mannschaft in der Geschichte des FC Bayern“, sagte Drijencic nachdem seine EWE Baskets Oldenburg tatsächlich den Coup gegen die Münchner geschafft hatten.

Die Bayern waren von Baskets-Profi Karsten Tadda vor der Partie als das „Nonplusultra“ des deutschen Basketballs bezeichnet worden – umso mehr genossen die Oldenburger ihren Triumph über den Meister, dem sie an diesem denkwürdigen Donnerstagabend in der großen EWE-Arena die erste Niederlage im 20. Saisonspiel der Bundesliga beibrachten.

Pauldings Draht zum Basketball-Gott

„Wir haben zusammengehalten und um jeden Ball gekämpft. Es war eine großartige Teamleistung“, stellte Kapitän Rickey Paulding in gewohnter Bescheidenheit das Kollektiv heraus. Dabei war es der 36-Jährige höchstpersönlich gewesen, der die Arena in ein Tollhaus verwandelte, als er den 83:82-Erfolg 3,8 Sekunden vor Schluss mit seinen drei verwandelten Freiwürfen perfekt machte.

„In einer solchen Situation diese Ruhe zu haben, ist außergewöhnlich“, schwärmte Geschäftsführer Schüller über die Nervenstärke des US-Amerikaners. „Die Legende hat es wieder geschafft, ein weiteres Kapitel ihrer Karriere in Oldenburg zu schreiben“, meinte Drijencic über Paulding, der seine zwölfte Saison bei den Baskets absolviert und seinen Vertrag kürzlich bis 2020 verlängert hat.

„Rickey, du hast den direkten Draht zum Basketball-Gott“, sagte Schüller im Kabinengang zu dem Matchwinner, der in seiner Laufbahn schon so viele Spiele für die Oldenburger gewonnen hat. „In den entscheidenden Momenten ist er einfach immer da“, meinte Schüller.

Den siegbringenden Freiwürfen von Paulding war ein mutiger Schachzug von Drijencic vorausgegangen. Beim Stand von 80:80 gab der Coach in einer Auszeit das Kommando, die Bayern mit einem Foul an die Freiwurflinie zu zwingen. Petteri Koponen traf zwar beide Versuche zum 82:80 für München, doch die Baskets hatten nun bei noch 8,6 Sekunden Restspielzeit das Heft in der Hand. Drijencic ging voll auf Sieg und malte seinen Schützlingen in einer weiteren Auszeit einen Spielzug für einen Dreier von Paulding auf – dieser bekam wie geplant den Ball und wurde von Bayerns Superstar Derrick Williams in der Wurfbewegung gefoult. Der Rest ist bekannt. „Das waren zwei taktische Meisterleistungen des Trainers“, lobte Schüller. Wie der übertragende TV-Sender Sport  1 auf Anfrage mitteilte, sahen die Partie im Schnitt 80 000 Zuschauer, in der Spitze guckten 240 000 Menschen zu. Keine Frage, dieses begeisternde Basketball-Spiel mit seinem irren Finale hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Jetzt erstmal Pause

Durch den Sieg über das trotz einiger verletzungsbedingte Ausfälle immer noch hochkarätig besetzte Euroleague-Team aus München festigten die Baskets nicht nur den zweiten Tabellenplatz, sondern tankten auch reichlich Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf. „Wir haben gezeigt, dass wir ein Top-Team sind, das jede Mannschaft schlagen kann“, meinte Paulding. Teamkollege Tadda warnte jedoch vor zu großer Euphorie. „Das war zwar ein großer Sieg, aber im Endeffekt nur einer auf unserem Weg. Wir können vieles daraus mitnehmen, aber wir sollten nicht zu überschwänglich sein“, sagte der 30-Jährige, der in der kommenden Woche zur deutschen Nationalmannschaft reist, mit der er zwei WM-Qualifikationsspiele (in Israel und gegen Griechenland) bestreitet.

Die Bundesliga wird aufgrund der Länderspiele für zwei Wochen unterbrochen, die Baskets pausieren deswegen bis zum kommenden Freitag mit dem Training. In der BBL geht es für die Oldenburger am 3. März in Jena weiter – dann erstmals mit dem inoffiziellen Titel „Erster-Bayern-Bezwinger“.

Lesen Sie auch:Kommentar zum Baskets-Triumph über die Bayern

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