Oldenburg - Auf dem Spielfeld durfte er zwar nicht eingreifen, zum Sieg der EWE Baskets Oldenburg über Bayern München trug Durand Scott aber möglicherweise auch von der Bank aus bei. Zumindest Frantz Massenat schien die Anwesenheit des erst zwei Tage vor dem Bayern-Spiel verpflichteten Scott zu beflügeln, zeigte er doch bei der 100:77-Gala gegen den Bundesliga-Tabellenführer seine beste Saisonleistung.
Nach dem Erreichen des Finalturniers in der Basketball-Champions-League gehen die Riesen Ludwigsburg mit viel Euphorie in das Bundesliga-Spitzenspiel mit den Baskets Oldenburg an diesem Samstag. „Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team“, meinte Trainer John Patrick, nachdem sich die Riesen am Mittwoch durch einen 89:77-Sieg im Bundesliga-Duell in Bayreuth für die Runde der besten vier Teams qualifiziert hatten.
Mit Blick auf das Oldenburg-Spiel forderte Patrick von seinen Schützlingen, den Schalter umzulegen: „Nach diesem Spiel in Bayreuth geht es für uns vor allem um die mentale Stärke, da Oldenburg unter der Woche frei hatte.“
Zum Finalturnier der Champions League müssen die Ludwigsburger nach Athen reisen. Die Hauptstadt Griechenlands wurde zum Ausrichter gewählt, Ludwigsburg hatte sich nicht beworben. Vom 4. bis 6. Mai spielen neben Ludwigsburg Gastgeber AEK Athen, AS Monaco und UCAM Murcia um den Titel.
„Wenn das der Grund war, hat sich die Verpflichtung von Durand schon gelohnt“, meinte Trainer Mladen Drijencic mit einem Lächeln zur überragenden Vorstellung von Massenat, der den Münchnern am vergangenen Samstag 20 Punkte einschenkte und zudem sechs Assists verteilte. „Das ist der Frantz, den wir sehen wollen“, meinte Drijencic und verpackte so in seinem Lob auch Kritik an dem Aufbau- und Flügelspieler, der sein Potenzial zu selten abruft.
„Diese Saison war für mich bisher ein Auf und Ab“, räumte Massenat nach dem Bayern-Spiel ein. Weil er sich im Sommer einer Operation am Schienbein unterziehen musste, verpasste der US-amerikanische Basketballprofi die Vorbereitung und stieg erst nach Saisonbeginn ins Mannschaftstraining ein. Nach einigen Wochen hatte Massenat seinen konditionellen Rückstand aufgeholt, seiner Bestform lief er aber weiterhin hinterher. In vielen Partien agierte der 26-Jährige unglücklich und warf „Backsteine“, wie es in der Basketball-Sprache heißt, wenn der Ball einfach nicht durch die Reuse zischen will.
Vor seiner Leistungsexplosion am vergangenen Samstag hatte Massenat beim 102:98-Erfolg in Bayreuth eine lausige Vorstellung abgeliefert. Der Ex-Weißenfelser traf in Oberfranken keinen seiner sieben Wurfversuche, erzielte seinen einzigen Punkt von der Freiwurflinie. Nach dem „schlechtesten Spiel meiner Karriere“ war Massenat nach eigener Aussage besonders motiviert, gegen München eine Reaktion zeigen zu wollen – es gelang ihm eindrucksvoll. „Das war ein großer Sieg – für das Team, aber auch für mich persönlich“, sagte er erleichtert.
In Scott hatten die Baskets-Verantwortlichen kurz vor Transferschluss einen Spieler an Land gezogen, der ebenso wie Massenat auf der Shooting-Guard-Position zu Hause ist. Weil dadurch sieben Ausländer im Baskets-Kader stehen, aber nur sechs spielen dürfen, erhöht sich damit automatisch der Konkurrenzdruck – insbesondere auf Massenat.
„Wir werden von Spiel zu Spiel entscheiden, welche Qualitäten wir auf dem Parkett benötigen“, ließ Drijencic offen, welchen ausländischen Akteur er im Spitzenspiel bei den Riesen Ludwigsburg an diesem Samstag (20.30 Uhr) draußen lässt. Doch nach Massenats Gala-Vorstellung gegen die Bayern dürfte Drijencic im Duell des Tabellenvierten beim Dritten nicht an seiner Nummer zehn vorbeikommen.
