Oldenburg/München - Das Vormittagstraining am Donnerstag war gerade beendet, da erfuhr Mladen Drijencic, dass er am Samstag nicht auf Sasa Djordjevic treffen wird. Der FC Bayern hatte da gerade die Trennung von seinem erfolgreichen serbischen Cheftrainer verkündet und somit kurz vor der Partie bei den EWE Baskets Oldenburg an diesem Samstag (20.30 Uhr/große EWE-Arena) für einen echten Paukenschlag in der Basketball-Bundesliga gesorgt.
„Das war ein Knaller. Ich war so überrascht wie ganz Basketball-Europa“, sagte Baskets-Coach Drijencic über das Trainer-Erdbeben beim Gegner aus München, der mit Djordjevic erst 39 Tage zuvor den ersten Pokalsieg seit 50 Jahren gefeiert hatte und die Bundesliga-Tabelle anführt.
„Nicht zuletzt wegen unserer Position als Tabellenerster der BBL mag das für Außenstehende überraschend kommen, das ist verständlich“, kommentierte FC-Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic die aufsehenerregende Entscheidung.
Aus im Europapokal, Pleite gegen Berlin
Am Freitag vor einer Woche waren die Münchner im Eurocup-Halbfinale an Darüssafaka Istanbul gescheitert, im ersten Spiel in der Türkei hatten die Süddeutschen einen 24-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben. Am vergangenen Sonntag setzte es in der BBL eine 72:91-Heimklatsche gegen Verfolger Alba Berlin und die erste Niederlage nach 20 Liga-Siegen in Serie. Die jüngsten Enttäuschungen gaben aber wohl nicht den Ausschlag für die Trennung von Djordjevic (50), der 2016 nach München gekommen war.
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Es soll, wie in verschiedenen Medien berichtet wurde, schon länger Probleme in der internen Kommunikation gegeben haben. „Nach den Eindrücken und Entwicklungen, die wir über einen längeren Zeitraum hinweg registriert haben, sind wir jetzt zu dem Entschluss gekommen, unserem hoch veranlagten Team einen neuen Impuls und Führungsansatz geben zu müssen“, begründete Pesic die Entscheidung, die offenbar auch bei den Bayern-Profis für Verwunderung sorgte.
Mannschaft überrascht
„Wir haben als Mannschaft die Nachricht heute morgen überraschend bekommen, weil es ja eigentlich ganz gut bei uns läuft“, meinte Nationalspieler Danilo Barthel am Donnerstagabend: „Man muss erstmal abwarten, was die Gründe waren. Hoffentlich kommt der neue Trainer nächste Woche.“ Am Abend in Oldenburg wird aber erst einmal Assistenztrainer Emir Mutapcic – immerhin der ehemalige Bundestrainer – die Verantwortung auf der Bayern-Bank tragen.
Eine ähnliche Konstellation hatte es bereits im Herbst 2012 gegeben. Damals hatten sich die Münchner unmittelbar vor Saisonstart von Trainer Dirk Bauermann getrennt. Am ersten Spieltag traf der FC Bayern auf die Oldenburger und kassierte – trainiert vom damaligen Interimscoach Yannis Christopoulos – in eigener Halle eine klare 61:80-Heimpleite gegen die Baskets.
Schwethelm will Überraschung packen
„Ich war auch sehr überrascht von dem Trainerwechsel“, sagte Oldenburgs Philipp Schwethelm: „Für uns ändert sich dadurch aber nichts in der Spielvorbereitung, denn in so kurzer Zeit wird Mutapcic nicht viel an der Spielweise ändern können.“ Auch Drijencic erwartet keine taktischen Änderungen beim Gegner, sieht den kurzfristigen Trainerwechsel in München aber eher als Nachteil für seine Mannschaft: „Wenn es stimmt, dass es Probleme zwischen dem Team und Djordjevic gab, werden die Bayern-Spieler deshalb vielleicht befreit sein und eine Reaktion zeigen wollen.“
Dennoch rechnen sich die Oldenburger etwas aus gegen den Meisterschaftsfavoriten. „Wir werden alles in die Waagschale werfen, um die Überraschung zu packen“, sagte Schwethelm, und Drijencic ergänzte: „Wir müssen an unserem Limit spielen und brauchen auch die Energie unserer Fans, um eine Chance zu haben.“ Den neuen Baskets-Flügelspieler Durand Scott (28) werden die 6000 Zuschauer in der ausverkauften großen Arena aller Voraussicht nach noch nicht in Aktion sehen. Der US-Amerikaner war am Donnerstag von den Oldenburgern verpflichtet worden und hat bisher kaum mit dem Team trainiert.
