Oldenburg - Als die Schlusssirene ertönte, gab es kein Halten mehr: Während in der großen EWE-Arena ein Jubel-Orkan losbrach, stürmten sämtliche Spieler der EWE Baskets Oldenburg auf Rickey Paulding zu und erdrückten ihren Kapitän geradezu. Der 36-jährige Ausnahme-Basketballer hatte am Donnerstagabend am Ende eines packenden und dramatischen Spitzenspiels Nervenstärke bewiesen und seine Mannschaft mit drei verwandelten Freiwürfen 3,8 Sekunden vor Schluss zum 83:82 (50:40)-Triumph über den bis dahin ungeschlagenen Meister und Tabellenführer Bayern München geführt.
Oldenburg: Cummings 20 Punkte/1 Dreier, Tadda, Massenat 9/2, Bacak, Keßen, Stojanovski 16, Paulding 8/1, Mahalbasic 7, Schwethelm 15/3, Boothe 8/2. München: Dangubic 5/1, Hobbs 5/1, Koponen 18/2, Radosevic 3, Lucic 9, Lo 14/2, Amaize, Barthel 11/1, Williams 17, Ogunsipe.
Rebounds: Oldenburg 34/München 36.Ballverluste: Oldenburg 8/München 16.
6000 vollkommen euphorisierte Zuschauer in der ausverkauften Arena feierten das Team von Trainer Mladen Drijencic nach einem nervenzerreißenden Basketball-Thriller, in dem sich die Baskets den Sieg durch Leidenschaft und Kampfgeist verdienten. Neben Paulding, der insgesamt acht Punkte erzielte, trugen Will Cummings (20 Zähler), Vojdan Stojanovski (16) und Philip Schwethelm (15) großen Anteil an dem überraschenden Erfolg der Oldenburger. Für die Münchner, die trotz ihrer ersten Niederlage im 20. Bundesliga-Spiel dieser Saison Tabellenführer vor den Baskets bleiben, waren Petteri Koponen (18) und Derrick Williams (17) die besten Werfer.
Gäste durch Wucht der Baskets aus dem Konzept gebracht
Von übermäßigem Respekt vor der Star-Ansammlung aus München war bei den Baskets überhaupt nichts zu spüren. Cummings und Stojanovski sorgten gemeinsam für neun Zähler in Folge (19:10/8. Minute), und auch danach ließ Oldenburg nicht locker. Als Nathan Boothe den Vorsprung gar auf 16 Zähler (27:11/9.) ausbaute, tobten ungläubig dreinblickende Baskets-Fans auf den Rängen. Während bei den wild entschlossenen Hausherren alles klappte, leisteten sich die Münchner zahlreiche für sie ungewohnte Fehler.
Im Laufe des zweiten Viertels mussten die Gastgeber ihrem extrem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Die Münchner verkürzten ihren Rückstand auf bis zu sechs Zähler, zur Pause führten die Baskets aber wieder mit 50:40.
Schlechter Start in zweite Halbzeit
Die Bayern kamen nach Wiederbeginn schnell auf nur noch fünf Punkte heran (50:45/23.). Noch schlimmer für die Baskets: Center-Riese Rasid Mahalbasic sammelte in den ersten drei Minuten sein drittes und viertes Foul, der zuletzt in überragender Verfassung agierende Österreicher wurde von Drijencic natürlich sofort auf die Bank geordert. Ein schmerzlicher Verlust für das Baskets-Spiel, doch bei den Oldenburgern löste das Fehlen von Mahalbasic eine Trotzreaktion aus.
Angetrieben vom aufgeheizten Publikum stemmten sich die Baskets den Bayern-Angriffen geschlossen entgegen, gaben keinen Ball verloren und verlegten sich im Angriff auf den Wurf aus der Entfernung – und dies funktionierte vorzüglich.
Bis in die vorletzte Spielminute hielten die Baskets ihre Führung, dann stopfte der aufdrehende Williams den Ball zum 80:79 für die Bayern in den Korb. Williams war es dann jedoch auch, der Paulding beim Stand von 80:82 aus Baskets-Sicht per Foul am Dreier hinderte und damit das Oldenburger Happy-End ermöglichte. Bei noch 3,8 Sekunden auf der Uhr ging Paulding für drei Freiwürfe an die Linie – er traf alle drei und ließ die Arena beben.
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