Oldenburg - Was für eine Geschichte: Kurz vor Spielende nahm Trainer Mladen Drijencic beim 109:93 (59:47)- Heimsieg seiner EWE Baskets Oldenburg gegen s. Oliver Würzburg noch eine Auszeit, um Rasid Mahalbasic ein sogenanntes Triple Double zu ermöglichen (zweistellige Werte in drei Kategorien). Seit Einführung der Statistikdatenbank zur Saison 1998/99 war es erst das siebte Triple Double der Bundesliga-Geschichte.

Würzburgs Trainer Denis Wucherer war von der Auszeit Drijencics allerdings alles andere als begeistert, bewertete die Aktion sogar als Herabwürdigung seines Teams und geriet mit der Baskets-Bank verbal aneinander. Kaum zu glauben: Denn ausgerechnet Ex-Profi Wucherer hielt bisher den Rekord für erzielte Triple Double in der Bundesliga. Dem früheren Nationalspieler gelang das Kunststück 2004 für Rekordmeister Leverkusen zweimal innerhalb einer Saison. Mahalbasic, der bereits Anfang Februar dieses Jahres ein Triple Double geschafft hatte, stellte mit seinem zweiten Streich den Rekord von Wucherer ein und trug sich somit in die Geschichtsbücher ein.

„Mein Assistent hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Rasid nur noch ein Assist zum Triple Double fehlte“, erklärte Drijencic: „Das war der Grund für die Auszeit. Ich hoffe der Gegner akzeptiert das. Ich weiß um die ungeschriebenen Gesetze unter Trainern, aber ich wollte dem Spieler die Möglichkeit geben, das Triple Double zu machen.“ Mahalbasic blieb nach dem Spiel bescheiden: „Das Triple Double an sich bedeutet mir wenig, am Ende war das ja fast geschenkt. Wir als Team haben heute offensiv sehr gut getroffen.“

In der Tat legten die Baskets den Würzburgern, die noch am Mittwoch ins Finale des Fiba Europe Cups eingezogen waren, pünktlich zum Osterfest reichlich Eier ins Körbchen. Beide Teams legten den Fokus auf die Offensive, defensiv fehlte zumeist die Intensität.

„Für die Zuschauer ist das natürlich schön“, sagte Drijencic: „für uns Coaches weniger. Wir haben an die Jungs appelliert physischer zu spielen.“ Der Gäste-Trainer bemängelte bei seinem Team vor allem die fehlende Energie in der Verteidigung. Mehr davon hätten die Würzburger, bei denen Devin Oliver (23) und Cameron Wells (15) am meisten Punkte sammelten, sicherlich mit ihrem Topscorer Jordan Hulls aufs Parkett gebracht, der von Wucherer für das erste Finale des Europe Cups an diesem Mittwoch geschont wurde. Dieser Schachzug verwunderte, schließlich hatten die Gäste vor dem Spiel das Erreichen der Playoffs noch in eigener Hand. Bei den Baskets war Nationalspieler Karsten Tadda (2) wieder fit, was das Kräfteverhältnis weiter verschob.

Besonders Kapitän Rickey Paulding legte vor 6000 Zuschauer in der ausverkauften großen EWE-Arena einen beispiellosen Auftritt hin. Drijencic bescheinigte seinem Schützling ein „unglaubliches Spiel“. Und auch der Gästetrainer zog vor Pauldings Leistung seinen Hut. „In der entscheidenden Phase hat Rickey Paulding übernommen. Er hat insgesamt sieben von zehn Dreiern getroffen, obwohl die sehr schwer waren“, sagte Wucherer. Der Kapitän kam am Ende auf 28 Punkte und war damit bester Werfer der Baskets vor Will Cummings (20). Allein im Schlussabschnitt, als die Würzburger noch einmal gefährlich nah rankamen, erzielte Paulding 15 Punkte.

Durch den Sieg im 100. Bundesliga-Hauptrundenspiel in der großen Arena haben die Baskets einen großen Schritt in Richtung Playoff-Heimrecht gemacht. Im Trainer-Streit nahm Mahalbasic seinen Trainer Drijencic anschließend in Schutz: „Ich kann beide Seiten nachvollziehen, stelle mich aber klar hinter meinen Coach. Er hat es mir ermöglicht, ein Stück Geschichte zu schreiben.“

DIE EINZELKRITIK:

Will Cummings (20 Punkte/1 Dreier/5 Assists/31:18 Minuten Einsatzzeit): Der Point Guard begann stark und machte das ganze Spiel über Dampf. Ist ein großer Faktor in der laufenden Spielzeit.

Haris Hujic (6 Punkte/2 Dreier/3:19 Minuten): Konnte sich bei seinem Kurzauftritt definitiv zeigen. Verwandelte zwei Dreier und wirkte sehr agil.

Karsten Tadda (2 Punkte/6:26 Minuten): Seine Rückkehr ging etwas unter, wurde von Drijencic aber auch nicht voll belastet.

Frantz Massenat (12 Punkte/23:32 Minuten): Fügte sich nahtlos in die gute Mannschaftsleistung ein, einzig von der Dreierlinie war er glücklos. Knickte im dritten Viertel um, konnte aber weiter machen.

Marcel Keßen (5:19 Minuten): Kam Ende des zweiten Viertels und holte direkt einen Rebound. Sammelte bei seinem soliden Auftritt weiter Spielzeit.

Vojdan Stojanovski (14 Punkte/2 Dreier/21:44 Minuten): Stand in der Startaufstellung und machte eine sehr gute Partie. Traf starke 86 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.

Rickey Paulding (28 Punkte/7 Dreier/33:41 Minuten): Sieben von zehn Dreier, hundertprozentige Freiwurfquote und eine Spielfreude, die die ganze Mannschaft ansteckte. Der Kapitän hatte bei seinem Gala-Auftritt sichtlich Spaß.

Rasid Mahalbasic (10 Punkte/10 Rebounds/10 Assists/29:37 Minuten): Der Star-Center sollte nach seinem historischen Triple Double ernsthaft über die Trikotnummer zehn nachdenken, zumindest am Samstag schien ihm die Zahl zu gefallen. Traf starke 83 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.

Philipp Schwethelm (3 Punkte/1 Dreier/17:26): Spielte gewohnt gut und setzte seine Mitspieler in Szene.

Nathan Boothe (14 Punkte/1 Dreier/9 Rebounds/27:38 Minuten): Seine Vertragsverlängerung schien ihn zu beflügeln. War mit sechs Defensivrebounds auch in der Verteidigung sehr wichtig.