Oldenburg - Es lief die dritte Minute im Spiel der EWE Baskets Oldenburg gegen die Gießen 46ers, als sich die Blicke der Spieler kollektiv gen Hallenboden richteten. Die Suchaktion galt der Kontaktlinse von Brian Qvale, die der Oldenburger Center zuvor nach einem Zweikampf verloren hatte. Schließlich entdeckte Rickey Paulding das winzige Stück, reichte es Qvale und stellte so das vollständige Sehvermögen seines Mannschaftskollegen wieder her.

Auch in sportlicher Hinsicht übernahm Baskets-Kapitän Paulding am Sonntag Verantwortung. Der 33-Jährige war beim hauchdünnen 76:75 (43:32)-Erfolg gegen den starken Aufsteiger aus Gießen bester Werfer des Basketball-Bundesligisten und schwang sich in der nervenaufreibenden Schlussphase zum Matchwinner auf. Paulding erzielte insgesamt 23 Punkte und führte die Oldenburger so zum zehnten Ligasieg in Folge, mit dem der Tabellendritte sechs Spieltage vor Ende der Hauptrunde auch letzte theoretische Zweifel am Playoff-Einzug beseitigte. „Wir sind sehr glücklich. Hut ab vor Gießen, sie haben uns das Leben sehr schwer gemacht“, meinte Paulding.

Die Überraschungsmannschaft aus Gießen erlitt hingegen trotz einer starken Vorstellung einen Rückschlag im Kampf um die Meisterrunde. „Ich glaube, wir haben heute drei Viertel lang genug richtig gemacht, um das Spiel verdient zu gewinnen. Leider haben sich meine Jungs am Ende nicht belohnt“, sagte Gießens Trainer Denis Wucherer.

Der frühere Nationalspieler hatte unter der Woche für Ärger im Oldenburger Lager gesorgt, indem er die Qualität der Baskets-Mannschaft auf die individuelle Klasse in der Offensive beschränkte. Diese wenig schmeichelhafte Einschätzung schien die Oldenburger anzustacheln.

Vier Wochen nach dem bis dato letzten Heimspiel nahmen die Hausherren trotz des Fehlens von Dampfmacher Chris Kramer (leichte Fußverletzung) vor 5289 Zuschauern in der großen EWE-Arena schnell das Heft in Hand. Kurz nach Beginn des zweiten Viertels besorgte Vaughn Duggins per Dunking die 30:15-Führung (11. Minute), zur Pause betrug der Vorsprung elf Punkte (43:32). „Die kleine Attacke des gegnerischen Trainers hat meine Spieler noch heißer gemacht“, bestätigte Baskets-Trainer Mladen Drijencic: „Allerdings konnten wir dieses emotionale Level in der zweiten Halbzeit nicht halten.“

Während sich nach Wiederbeginn immer mehr Fehler ins Spiel der Gastgeber einschlichen, gewann Gießen Stück für Stück die Oberhand und ging zwei Minuten vor dem Ende mit 69:68 in Front. Als die Gäste wenig später sogar auf drei Zähler davonzogen, schien das Ende der Oldenburger Siegesserie besiegelt. Doch die Gäste hatten die Rechnung ohne Paulding gemacht – der Routinier glich in der Schlussminute zunächst per Dreier zum 75:75 aus und sorgte 3,7 Sekunden vor dem Ende mit seinem zweiten Freiwurf für das glückliche Oldenburger Ende eines Basketball-Krimis.