Herr Roller, müssen die EWE Baskets Oldenburg und RP Ulm die Halbfinal-Serie überhaupt noch zu Ende spielen?
PAscal Roller (36)Ja, natürlich. Warum nicht?
Nun, Ihr Kollege bei Sport 1, Frank Buschmann, sagte vor dem dritten Spiel des anderen Halbfinals zwischen den Baskets Bamberg und Bayern München, dass der Sieger dieses Spiels den Titel holt. Demnach steht Bamberg schon als Meister fest . . .
RollerNa ja, allzu gewagt ist diese Prognose ja nun auch wieder nicht. Auch ich sehe die Favoritenrolle in einem Finale bei Bamberg oder Bayern. Diese beiden Mannschaften haben bisher einfach etwas mehr gezeigt als Oldenburg und Ulm.
Man wird den Eindruck nicht los, dass die Leistung der Baskets bundesweit eher wenig gewürdigt wird . . .
RollerDa muss ich widersprechen. In Oldenburg wird tolle Arbeit geleistet, überhaupt keine Frage. Nicht umsonst ist Sebastian Machowski zum Trainer des Jahres gewählt worden.
Aber?
RollerIch sehe bei den Baskets einfach noch Luft nach oben. Oldenburg hat mich in dieser Saison selten über 40 Minuten überzeugt. Aber diese Schwankungen sind auch ganz normal. Es sind vor der Saison viele neue Spieler gekommen, dazu ein neuer Trainer. Das Ganze muss einfach noch ein, zwei Jahre zusammenwachsen.
Nun kann Oldenburg an diesem Sonnabend mit einem Sieg den Finaleinzug perfekt machen. Sie sind als TV-Experte dabei. Was für ein Spiel erwarten Sie?
Roller Es wird eng. Die Baskets haben durch den Sieg am Mittwoch Selbstvertrauen getankt, die Ulmer werden ihnen aber einen großen Kampf liefern. Sie haben nichts mehr zu verlieren.
Wie schwer wiegt für Ulm der Ausfall von Spielmacher Per Günther?
RollerEs ist eine Schwächung, ganz klar. Per ist der Kopf dieser Mannschaft.
Nun ruht die Last des Aufbauspiels auf den Schultern des jungen Till-Joscha Jönke und Lance Jeter . . .
RollerJönke hat Talent, ihm fehlt aber noch die Erfahrung. Und Jeter ist der typische Spieler, der von der Bank kommt und dem Team neue Energie gibt – aber mehr eben auch nicht. Kurzum: Die Ulmer werden improvisieren müssen.
Trauen Sie Oldenburg den Meistertitel denn wirklich nicht zu?
RollerDoch, doch! Wie gesagt, mein Favorit wäre Bamberg oder München, aber das heißt gar nichts. Oldenburg verfügt über große individuelle Qualität, etwa durch Julius Jenkins und Rickey Paulding. Außerdem haben die Baskets in dieser Saison internationale Erfahrung gesammelt – davon würden sie in einem Finale profitieren. Chancenlos wären sie sicher nicht.
Was macht eigentlich Ihr Basketball-Projekt in Hamburg? Zuletzt hieß es, Sie würden auf eine mögliche Wildcard für die kommende Bundesligasaison verzichten . .
RollerSo ist es. Wir wollen uns noch ein weiteres Jahr Zeit nehmen, um die erforderlichen Strukturen zu schaffen. Für die Saison 2014/2015 wollen wir uns dann bewerben.
Was entgegnen Sie Leuten, die das Vorhaben, ein Bundesligateam aus dem Boden zu stampfen, skeptisch sehen?
RollerIch habe so ein Projekt als Spieler in Frankfurt ja selbst erlebt. Heute haben die Skyliners große regionale Strahlkraft; das zeigt, was möglich ist, wenn man so etwas nachhaltig betreibt. Ich glaube, der Bundesliga-Standort Hamburg würde der Sportart gut tun.
