Oldenburg/Bayreuth - Am 3. März 2012 hatte Predrag Krunic zuletzt dienstlich mit den EWE Baskets Oldenburg zu tun. An jenem Sonnabend verloren die damals von Krunic trainierten Bundesliga-Basketballer mit 73:82 nach Verlängerung bei TBB Trier, und nach einem trainingsfreien Sonntag wurde der Bosnier am Montagvormittag von Hermann Schüller zum Gespräch gebeten. Der Baskets-Geschäftsführer teilte dem Trainer darin mit, dass die Oldenburger die sofortige Trennung von Krunic beschlossen hätten.
Meister 2009
Dem Chefcoach war es nicht gelungen, in jenen Wochen und Monaten einen Abwärtstrend zu stoppen, so dass an besagtem Montagvormittag in Oldenburg eine Ära endete. Denn Krunic, seit 2007 im Amt, hatte sich nicht zuletzt durch den Gewinn des deutschen Meistertitels 2009 auf Jahre oder gar Jahrzehnte einen Namen im Oldenburger Basketball gemacht.
Nach der Trennung verschwand Krunic von der Bildfläche. Interviewanfragen beantwortete er meist gar nicht oder lehnte sie, wenn er denn kurz zu erreichen war, sofort ab.
Verwunderlich war dies kaum. Denn auch zu erfolgreichen Zeiten erweckte Krunic in Oldenburg meist den Eindruck, dass Öffentlichkeitsarbeit für ihn eher eine lästige Pflicht sei. Noch immer hält sich im Baskets-Umfeld die Geschichte, er habe seinen Spielern einst verboten, bei Aufnahmen für Autogrammkarten zu lächeln.
Europaweites Netzwerk
Krunic‘ eigenes Auftreten war stets höflich und makellos, über seine Arbeit mochte er aber nie detailliert reden. Viel lieber stürzte er sich in jene. So hatte er meist auch nach dem abendlichen Training noch nicht Feierabend. Vor allem spätabends nutzte und pflegte Krunic sein europaweites Netzwerk und tauschte sich telefonisch mit anderen Trainern, Managern und Spielern über Taktiken und interessante Akteure aus. So gab und gibt es kaum einen Spieler in europäischen Profiligen, über den Krunic nicht die wichtigsten (und vermutlich auch die unwichtigen) Daten im Kopf hat.
An diesem Mittwoch hat Krunic nun erstmals wieder mit den Baskets zu tun. Um 19.30 Uhr empfängt er mit seinem neuen Club BBC Bayreuth – das dortige Traineramt hatte er am 25. März angetreten – seine ehemalige Mannschaft.
Darüber sprechen möchte er auch dieses Mal nicht, eine entsprechende Interviewanfrage lehnte er ab. Stattdessen übermittelte die Geschäftsstelle der Bayreuther schriftlich einige Aussagen des neuen Cheftrainers. „Ich hatte fünf schöne Jahre in Oldenburg und freue mich, Spieler, Trainer, Fans und Freunde wieder zu sehen“, heißt es darin. In der Zeit nach der Trennung von den Baskets habe er viel Zeit mit der Familie verbracht „und viele Basketballspiele in Deutschland und in Europa gesehen“. Ein Trainer müsse schließlich immer aktiv sein, egal ob er gerade eine Mannschaft trainiere oder nicht. Dem Oldenburger Team um seinen Nachfolger Sebastian Machowski attestiert er, „eine sehr erfolgreiche Saison in Deutschland und Europa“ zu spielen und dabei „tollen Basketball“ zu zeigen.
Wie lange Krunic die Bayreuther trainieren wird, hat auch mit dem Ausgang des Spiels gegen Oldenburg zu tun. Denn der Vertrag des 45-Jährigen beim abstiegsbedrohten BBC gilt nur bis zum Saisonende. Nur im Falle des Klassenerhalts verlängert sich der Kontrakt um ein Jahr.
