Oldenburg - Erst 0,5 Sekunden vor Spielende gab Mladen Drijencic am Sonnabend das Zeichen zum Jubeln. Als Nikolaos Zisis von den Baskets Bamberg beim Stand von 102:95 für die EWE Baskets Oldenburg noch einmal an die Freiwurflinie trat, war dem Oldenburger Trainer klar, dass wegen der kurzen Restspielzeit der Sieg auch bei zwei Treffern von Zisis nicht mehr in Gefahr geraten würde. Er ballte die Fäuste über dem Kopf, winkte zum Publikum und schrie seine Anspannung heraus. Dass Zisis beide Würfe zum 102:97 (49:49)-Endstand verwandelte, hatte nur noch statistischen Wert.
Die Schlusssirene ging dann im Jubel der 6000 Zuschauer in der ausverkauften großen Arena unter. Das, was die beiden Bundesligisten in den 40 Spielminuten zuvor geboten hatten, war großer und spannender Basketballsport gewesen. 17-mal wechselte die Führung, das Tempo war über die gesamte Spielzeit extrem hoch.
Trinchieri wütend
„Wir waren gegen eine starke Bamberger Mannschaft konkurrenzfähig und in einigen Phasen sogar besser“, sagte Drijencic: „Das war nicht nur von den Platzierungen in der Tabelle her ein Spitzenspiel, es war auch von der Qualität her ein Spitzenspiel.“
Die drittplatzierten Oldenburger, die noch nie gegen Bamberg eine dreistellige Punktzahl erzielt hatten, bauten ihre Serie auf zwölf Siege am Stück aus. Der Spitzenreiter aus Franken kassierte nach zuvor 20 Erfolgen nacheinander erstmals wieder eine Niederlage. „Dass eine von mir trainierte Mannschaft 102 Punkte kassiert, habe ich noch nie in meiner Karriere erlebt“, ärgerte sich Bambergs Trainer Andrea Trinchieri: „Wir sind nicht mit der richtigen Einstellung in dieses Spiel gegangen. Jetzt können wir nur schnell in den Bus steigen und nach Hause fahren.“
Knapp drei Viertel lang verlief das Spiel ausgeglichen. Gegen Ende des dritten Abschnitts gelang es den Oldenburgern, sich durch einen 12:0-Lauf etwas abzusetzen. Eine Vorentscheidung war das aber noch nicht, der amtierende Meister Bamberg reagierte mit wütenden und aggressiven Angriffen, ehe der Erfolg erst unmittelbar vor Schluss eingefahren war.
„Es hat einfach alles gepasst“, freute sich Oldenburgs Center Brian Qvale, der mit 31 Punkten bester Werfer der Partie war. Immer wieder wurde der US-Amerikaner von Chris Kramer und Co. glänzend eingesetzt und kam direkt unter dem Korb zu Punkten. Ein Sonderlob wollte Drijencic allerdings nicht verteilen. „Er ist von seinen Mitspielern sehr gut in Szene gesetzt worden“, sagte der 50-Jährige über den Center: „Wenn ich mir aber die Rebound-Statistik anschaue, weiß ich, woran wir in den nächsten Tagen arbeiten müssen.“
31 Punkte in 24 Minuten
Die entsprechende Spalte wies nämlich aus, dass der 2,10 Meter große Qvale nur einen Defensiv-Rebound erkämpft hatte – für einen Center in der Tat ein niedriger Wert. Auf der anderen Seite war bemerkenswert, dass Qvale seine 31 Zähler in lediglich knapp 24 Minuten Einsatzzeit sammelte.
