Oldenburg - Die Nachwuchsarbeit der EWE Baskets Oldenburg genießt einen exzellenten Ruf. Beachtliche 600 000 Euro steckt der Club nach Angaben von Geschäftsführer Hermann Schüller Jahr für Jahr in die Talentförderung, die schon mehrfach von der Basketball-Bundesliga (BBL) ausgezeichnet wurde. Der Haken an der Sache: Ein Spieler, der eine gewichtige Rolle in der Bu

ndesliga-Mannschaft einnimmt, ist aus dem Talente-Pool bislang nicht hervorgegangen.

Auch bei Jan Niklas Wimberg (21 Jahre) und Dominic Lockhart (22 Jahre) lässt der Durchbruch auf sich warten. Neben Stars wie Brian Qvale, Chris Kramer oder Rickey Paulding spielen die Youngster nur eine Nebenrolle und werden von Trainer Mladen Drijencic oft nur kurz oder gar nicht von der Leine gelassen.

Wimberg und Lockhart: Ihre Statistiken bei den Baskets

Seit Beginn der vergangenen Saison zählt Jan Niklas Wimberg fest zum Bundesliga-Kader der Baskets. Dominic Lockhart ist ein Jahr länger dabei. Ihre einzelnen Saisonstatistiken:Jan Niklas Wimberg Saison 16/17 : (läuft noch) 16 Spiele/durchschnittlich 6:48 Minuten Einsatzzeit pro Spiel/0,5 Punkte/1,1 Rebounds/0,3 Assists.Saison 15/16: 21 Spiele/5:32 Minuten/1,2 Punkte/1,0 Rebounds/0,3 Assists.Dominic Lockhart Saison 16/17: 25 Spiele/10:12 Minuten/1,6 Punkte/1,4 Rebounds/1,1 Assists.Saison 15/16: 34 Spiele/7:13 Minuten/1,5 Punkte/0,7 Rebounds/0,8 Assists. Saison 14/15: 21 Spiele/8:23 Minuten/1,1 Punkte/1,2 Rebounds/0,6 Assists.

Vor Saisonbeginn hatte Schüller noch große Hoffnungen in Wimberg und Lockhart gesetzt – einen Monat vor Ende der regulären Spielzeit muss der Clubchef konstatieren, dass beide Spieler nicht die von ihm erhoffte Entwicklung genommen haben. „Sie haben ihre Schwierigkeiten“, sagt Schüller und ergänzt: „Der Sprung von der ProB in die Bundesliga ist offenbar größer, als es die beiden vermutet haben.“

Der in Oldenburg geborene Wimberg durchlief alle Jugendmannschaften der Baskets Akademie/Oldenburger TB und galt als Teenager sogar als eines der größten Talente Europas. Im vergangenen Sommer wurde der trotz seiner Größe von 2,07 Meter sehr bewegliche Flügelspieler mit der deutschen U-20-Nationalmannschaft Vierter bei der EM in Helsinki, wo er der statistisch effektivste Akteur seines Teams war. Dem 1,98 Meter großen und überaus athletischen Lockhart eilt seit einiger Zeit der Ruf voraus, eine der größten deutschen Hoffnungen auf der Position des Aufbauspielers zu sein.

In der Drittliga-Mannschaft der Oldenburger zählten Wimberg und Lockhart zu den Leistungsträgern und hatten großen Anteil an den Meisterschaften in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15, Trainer des ProB-Teams war seinerzeit Drijencic.

Als der erfahrene Nachwuchstrainer vor zwei Jahren zum Coach der Bundesliga-Truppe befördert wurde, hatten viele Beobachter erwartet, dass sich damit auch die Perspektiven von Wimberg und Lockhart im Erstliga-Kader verbessern würden. Drijencic ärgert die immer wieder aufkommende Kritik, dass er den jungen Spielern zu wenig Vertrauen schenke. „Das geht mir auf den Keks. Wir sprechen hier von Leistungssport“, polterte der 51-Jährige Ende Februar nach dem Champions-League-Spiel gegen Saratow. Die Sache ist für Drijencic ziemlich verzwickt, weil auch er an Ergebnissen gemessen wird. Talente heranführen, ohne den sportlichen Erfolg zu gefährden, ist eine schwierige Aufgabe am anspruchsvollen Basketball-Standort Oldenburg. Schüller nimmt den Chefcoach in Schutz: „Die Jungs erhalten doch immer wieder ihre Chancen. Sie müssen sie nur nutzen – dann spielen sie beim nächsten Mal auch länger. Am Ende zählt die Leistung.“

Dass Wimberg und Lockhart über ausreichend Potenzial verfügen, steht für Schüller weiterhin außer Frage. „Wir glauben nach wir vor an sie. Aber Potenzial allein reicht nicht“, betont er: „Es gehört mehr dazu, um es in der Bundesliga zu schaffen. Zum Beispiel eine gewisse mentale Stärke.“

Der Baskets-Chef wünscht sich von seinen Nachwuchshoffnungen, dass sie „entschlossener und frecher“ auftreten und benennt damit zugleich ihre wohl größte Schwäche. Sowohl Wimberg als auch Lockhart lassen ihr Können zwar immer wieder aufblitzen, wirken oft aber zu zögerlich auf dem Feld.

Neben dem Feld sind beide zwar höfliche und freundliche, aber eben auch zurückhaltende Vertreter. Weder Lockhart noch Wimberg wollten sich auf Anfrage zu ihrer aktuellen sportlichen Situation und ihrer Zukunft äußern. So bleibt unbeantwortet, ob sie diese in Oldenburg sehen – ihre Verträge laufen nämlich am Ende der Saison aus. Schüller wich dem Thema aus: „Damit befassen wir uns im Sommer.“