Dieses Bild passte zum Abend: Während draußen die türkischen Fans frenetisch den Erfolg ihres Teams feierten, hockte Jannik Freese auf einem Podest im Foyer der Karsiyaka-Arena und kaute frustriert seine Banane. „Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir wollten diesen Pokal unbedingt“, sagte der Center der EWE Baskets Oldenburg nach der 62:66-Niederlage im Halbfinale der Euro-Challenge gegen Gastgeber Karsiyaka Izmir. Damit platzte der Traum des Basketball-Bundesligisten vom ersten Europapokalsieg in der Vereinsgeschichte, an diesem Sonntag (15.30 Uhr deutscher Zeit) geht es nun nur noch um den dritten Platz gegen BCM Gravelines (Frankreich), das das erste Halbfinale gegen KK Samara mit 78:81 verlor.

„Wir sind alle sehr niedergeschlagen“, fasste Robin Smeulders die Stimmung in der Kabine zusammen, und Geschäftsführer Hermann Schüller ergänzte: „Letztlich hat wohl der Heimvorteil den Ausschlag gegeben.“

Schüller meinte damit die wahnsinnig lautstarke Atmosphäre, die Smeulders so beschrieb: „Das war unglaublich. So etwas habe ich in Deutschland noch nicht erlebt.“

In der Tat: Die Anhänger der Gastgeber entfachten in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften Halle mit ihren Tröten, Trommeln und lautstarken Gesängen einen Hexenkessel, wie man es sonst nur von Heimspielen türkischer Fußballmannschaften kennt. Die Karsiyaka-Arena war fast vollkommen in die Vereinsfarben Izmirs, rot-grün-weiß, getaucht. Optisch ein Farbklecks, dafür akustisch hoffnungslos unterlegen, waren die rund 40 mitgereisten Baskets-Fans in ihren gelben T-Shirts.

Unterlegen? Das waren die Baskets keineswegs. Obwohl bei jedem Angriff ein derart gellendes Pfeifkonzert einsetzte, das die verbale Verständigung auf dem Spielfeld nahezu unmöglich machte, ließen sich die Machowski-Schützlinge nicht einschüchtern. Oldenburg nahm den Kampf schnell an, zeigte die richtige Körpersprache und hielt das Spiel offen. Ein 6:11 nach sechs Minuten konterte es eiskalt mit einem 6:0-Lauf (12:11, 7. Minute).

Ausgeglichen ging es weiter, nach dem ersten Viertel stand ein 17:17, woran vor allem Adam Chubb mit bis dahin neun Punkten großen Anteil hatte. Am Ende kam Chubb auf 19 Punkte und war bester Werfer der Partie.

Auch danach lieferten sich der Bundesliga-Zweite und der Tabellenfünfte der türkischen Liga ein verbissen geführtes Duell auf Augenhöhe. Zur Halbzeit stand es 28:30 – die Partie war offen. Nach der Pause kam Oldenburg furios aus der Kabine und führte nach sieben Punkten in Serie mit 35:30 (22.). Doch Kasiryaka fand nach einer Auszeit zurück in die Spur und führte zum Viertelende mit 47:46.

Als die Gäste im finalen Abschnitt einige Würfe danebensetzten und strittige Schiedsrichter-Entscheidungen hinnehmen mussten, bekam Izmir Oberwasser. Nach dem 56:60 (37.) kam Oldenburg nicht mehr zurück. „Wir waren in den entscheidenden Momenten nicht da“, sagte Trainer Sebastian Machowski. Geschäftsführer Schüller fand tröstende Worte: „Wir haben Izmir bis an die Leistungsgrenze getrieben und Oldenburg würdig vertreten.“