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NWZonline.de Sport Basketball EWE Baskets

Derby-Schlappe sorgt für Frust

08.04.2019

Vechta Als sie sich bei den 300 mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedankten, gingen die Blicke von Rasid Mahalbasic, Frantz Massenat und Co. ins Leere. Dann schlichen die konsternierten Basketballer der EWE Baskets Oldenburg vom Parkett des Rasta-Domes, wo gerade der nächste Ballermann-Hit durch die Lautsprecher schepperte und die Fans von Rasta Vechta ihre Mannschaft nach einem erneuten Husaren-Streich mit „Derbysieger, Derbysieger“-Rufen auf ihrer Ehrenrunde begleiteten.

Die euphorischen Gesänge aus der Halle waren auch noch zwanzig Minuten später zu hören, als Mladen Drijencic im Pressekonferenz-Raum zur schonungslosen Analyse der krachenden 85:100 (42:58)-Niederlage der Baskets beim Sensationsteam aus dem Oldenburger Münsterland ansetzte. „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Wenn man mit wenig Emotionen, Energie und Zusammenhalt in der Verteidigung spielt und dann vor dieser Kulisse zur Halbzeit 58 Punkte kassiert, ist es schwer zurückzukommen“, kritisierte Drijencic die fehlende Bereitschaft seines Teams und fügte hinzu: „Das tut schon weh.“

Calles der „König des Nordens“

Die Oldenburger reihten sich am Samstagabend in die illustre Liste von Mannschaften wie Bayern München und Alba Berlin ein, für die in dieser Bundesliga-Spielzeit ebenfalls nichts in Vechta zu holen war. 25 Punkte von Will Cummings und 17 Zähler von Mahalbasic waren nicht genug, um die erste Niederlage nach zuvor acht Siegen am Stück abzuwenden. Vechta, das in TJ Bray (17 Punkte/10 Vorlagen) seinen überragenden Akteur hatte, entnervte die Baskets mit unnachgiebigem Dauerdruck und darf nun mehr denn je vom Heimrecht im Playoff-Viertelfinale träumen.

„Derbysieger – das hört sich gut an. Wir wussten, dass wir was gutzumachen hatten aus dem Hinspiel, sind mit viel Feuer rausgekommen, das hat gut geklappt“, meinte Rastas Robin Christen. Mitte November hatten die Vechtaer in Oldenburg beim 62:81 ihre höchste Saisonniederlage kassiert, im zweiten Vergleich mit dem Nachbarn drehte der weiter auf Rang drei notierte Aufsteiger den Spieß eindrucksvoll um. „Jetzt können sich die Fans, der Club, die ganze Stadt freuen – es ist ein guter Tag für Rasta“, meinte Vechtas Trainer Pedro Calles, der von Vechtas Anhängern bereits in ihrer Chorographie vor dem Spiel in Anlehnung an die TV-Serie „Game of Thrones“ zum „König des Nordens“ erklärt worden war.

Zahlen zum Spiel

Vechta: Bray 17 Punkte/2 Dreier, Hinrichs 16/3, Kessens 14, Chapman 14, Young 9/2, Christen 9/2, Hollins 8/1, DiLeo 7/1, Nash 5/1, Herkenhoff 1, van Slooten n.e. Oldenburg: Cummings 25/1, Mahalbasic 17, Boothe 13/3, Massenat 11/3, Paulding 9/1, Schwethelm 5/1, Stojanovski 3/1, Hujic 2, Hopp n.e., Bacak n.e.

Rebounds: Vechta 37/Oldenburg 28. Vorlagen: Vechta 28/Oldenburg 17. Ballverluste: Vechta 15/Oldenburg 15. Trefferquote Zweier: Vechta 69 Prozent/Oldenburg 58. Trefferquote Dreier: Vechta 39 Prozent/Oldenburg 40. Trefferquote Freiwürfe: Vechta 71 Prozent/Oldenburg 71 Prozent.

Mittwoch kommt Bamberg

Der 35-jährige Spanier hatte die Baskets übertölpelt. Anstatt die Angriffe über die starken Distanzschützen laufen zu lassen, brachte Rasta den Ball zunächst immer wieder unter den Korb, wo Center Clip Chapman für die ersten acht Vechtaer Punkte verantwortlich zeichnete. Die Baskets bekamen keinen Zugriff auf das rasante Angriffsspiel der Hausherren, liefen früh einem Rückstand hinterher (9:17/6. Minute) und verzettelten sich in Diskussionen mit den Schiedsrichtern. Als Rasta in der aufgeheizten Atmosphäre der mit 3140 Zuschauern ausverkauften Halle kurz vor der Pause dann auch seine Dreier verwandelte und die Führung von sieben (49:42/18.) auf 16 Zähler ausbaute (58:42/20.), nahm das Baskets-Unheil seinen Lauf.

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„Der einzige Grund, aus dem wir heute verloren haben, ist: Vechta war heute besser. Super gespielt, super Kulisse, da kann man nur gratulieren“, sagte Mahalbasic, der sich in der zweiten Halbzeit zu einem unsportlichen Foul hinreißen ließ. Die Aktion des Österreichers war Ausdruck des tiefsitzenden Frusts der Oldenburger, die zweieinhalb Minuten vor Schluss beim Stand vom 74:98 vollkommen auseinanderzubrechen drohten. Immerhin verhinderten es die Gäste, auch noch den bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich mit Vechta abzugeben.

Drijencic wollte das Spiel gegen Bonn vom Mittwoch zuvor nicht als Ausrede für den behäbigen Auftritt seiner Mannschaft im Derby gelten lassen. „Die Jungs sind es seit Jahren gewohnt, zwei Spiele pro Woche zu haben“, meinte der Baskets-Coach, der sich die Rückkehr von Karsten Tadda herbeisehnt: „Man hat heute gesehen, wie sehr uns Karsten in der Verteidigung fehlt.“ Der Nationalspieler, der seit drei Wochen wegen einer Hüftverletzung pausiert, dürfte aber wohl auch im Heimspiel gegen Bamberg an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/große EWE-Arena) noch nicht wieder zur Verfügung stehen.

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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