Gießen/Oldenburg - Zu seiner aktiven Zeit als Basketballer galt Denis Wucherer als Profi, der nur selten ein Blatt von den Mund nahm. 2007 endete die Laufbahn des früheren Nationalspielers im Alter von 34 Jahren, wobei ihm seine bisweilen unbequeme Art eine längere Karriere verbaute. Dieser Meinung ist zumindest Wucherer selbst. „Ich bin überzeugt davon, dass ich zwei, drei Jahre länger hätte spielen können, wenn ich öfter meinen Mund gehalten hätte“, meinte er Ende vergangenen Jahres in einem Interview mit dem Fachmagazin „Big“.
Inzwischen ist Wucherer Trainer bei den Gießen 46ers, die an diesem Sonntag zum Bundesliga-Spiel bei den EWE Baskets Oldenburg antreten (17 Uhr/große EWE-Arena). Wie schon als Spieler ist der heute 42-Jährige auch als Coach ein Freund der klaren Worte und schlägt vor dem Gastspiel beim seit neun Spielen ungeschlagenen Tabellendritten forsche Töne an.
„Sie haben sich intelligent verstärkt und funktionieren als Mannschaft“, lobte Wucherer die Oldenburger: „Trotzdem machen sie mir keine Angst.“ Der Vize-Europameister von 2005 glaubt, dass die Spielweise der Baskets seinem Team entgegen kommt: „Oldenburg ist eine Mannschaft, mit der wir mitspielen können und gegen die wir unsere offenen Würfe finden werden. Sie nehmen dir keine Sachen weg oder kommen über die Physis, sie kommen über die individuelle Qualität in der Offensive.“
Wucherers Optimismus kommt nicht von ungefähr, schließlich ist Gießen die Überraschungsmannschaft der Saison. Sieben Spieltage vor Abschluss der Hauptrunde schnuppert der Aufsteiger an einem Playoff-Platz, als Neunter kämpfen die Hessen mit den punktgleichen Würzburgern um Rang acht, der zum Einzug in die Meisterrunde berechtigt.
Sollte Gießen die Playoffs erreichen, wäre dies das nächste Kapitel in der noch recht jungen Erfolgsgeschichte, die vor zweieinhalb Jahren unter Wucherer in der zweiten Liga ihren Anfang nahm. Zur Saison 2013/14 trat der gebürtige Mainzer das Amt beim Bundesliga-Gründungsmitglied an, das zuvor nach 46 Jahren aus der höchsten deutschen Spielklasse abgestiegen war. Wucherer gelang mit dem Traditionsclub der sofortige Wiederaufstieg in die erste Liga, wo das Team gleich am dritten Spieltag mit dem Sieg über Meister Bamberg für eine echte Sensation sorgte.
Auch die Oldenburger hatten bei ihrem 88:79-Auswärtserfolg im Hinspiel ihre liebe Müh und Not mit den Gießenern, die kurz nach Saisonbeginn mit der Verpflichtung des langjährigen Nationalspielers Karsten Tadda aus Bamberg aufhorchen ließen. Wucherer prophezeit den Baskets für diesen Sonntag einen ähnlich heißen Tanz wie Ende Dezember: „Wir haben im Hinspiel gut mitgehalten, dann war es aber die individuelle Klasse von Duggins, Paulding oder Qvale, die den Unterschied ausgemacht hat. Wir haben aber auch da schon auf Augenhöhe gespielt, insofern gehen wir mit einem ganz guten Gefühl in das Spiel.“
