Oldenburg - Chris Kramer litt kräftig am Sonntagnachmittag. Der Basketball-Profi der EWE Baskets Oldenburg war gegen die Gießen 46ers wegen einer leichten Fußverletzung zur Untätigkeit verdammt und musste so von der Bank aus mit ansehen, wie seine Mannschaft fast noch den Sieg gegen den starken Aufsteiger verspielte.

In gewisser Weise trug Kramer aber doch dazu bei, dass die Oldenburger Erfolgsserie auch nach der Partie Bestand hatte. So verriet Trainer Mladen Drijencic nach dem 76:75-Sieg, dass die überragende Leistung von Rickey Paulding unmittelbar mit Kramers Ausfall zu tun hatte. „Rickey wusste, dass es ohne Chris noch mehr auf ihn ankommen würde. Das hat ihn zusätzlich angespornt“, sagte Drijencic über seinen Kapitän, der insgesamt 23 Punkte erzielte und in der spannenden Schlussphase ganz allein den zehnten Ligasieg der Baskets in Folge sicherstellte.

Kramer erklärte im Halbzeitinterview bei „basketball-telekom.de“, dass seine Blessur bereits nahezu ausgeheilt sei und er davon ausgeht, beim Auswärtsspiel bei der BG Göttingen am kommenden Sonntag (15 Uhr) wieder mitwirken zu können. Eine schnelle Rückkehr des US-Amerikaners, der am Montag 28 Jahre alt wurde, würde den Baskets gut tun – bewies die Partie am Sonntag doch, wie ungemein wichtig Kramer für das Spiel der Oldenburger ist.

Konnte der Tabellendritte personelle Ausfälle in dieser Spielzeit dank des ausgeglichenen Kaders oft genug kompensieren, gelang dies gegen Gießen nur eine Halbzeit lang. Als die Hessen in den zweiten zwanzig Minuten immer stärker aufkamen, fehlte den Gastgebern ohne ihren kampfstarken Antreiber der letzte Schuss defensive Galligkeit. Die offensiv nicht existenten Scott Machado, Nemanja Aleksandrov und Klemen Prepelic taten ihr Übriges dazu, dass die Baskets am Ende eine wahre Zitterpartie erlebten.

Auch wenn die Oldenburger dank Paulding noch einmal den Kopf aus der Schlinge zogen, drängte sich der Eindruck auf, dass die Drijencic-Schützlinge nach der guten ersten Halbzeit und der recht deutlichen Führung (43:32) zu früh den Fuß vom Gaspedal genommen hatten.

„Einige Spieler haben in der zweiten Halbzeit ihre Aufgaben nicht mehr erfüllt“, meinte der Trainer. Angesichts der stolzen Siegesserie und dem Gefühl der Überlegenheit schien sich in der Mannschaft eine trügerische Sicherheit breitzumachen. Drijencic dürfte seinen Profis in dieser Woche eindringlich ins Gewissen reden – ein Zittersieg als Weckruf zur rechten Zeit.