Köln - „Das Schlafzimmer ist zu schade zum Verschlafen“, fasst Markus Majerus, Sprecher der Kölner Möbelmesse, das Ansinnen der Branche zusammen. „Es wird mehr zum Wohnraum.“

Die Unternehmen wollen die Zeit vor und nach dem Einschlafen im Bett bequemer machen. Gute Nachttisch- und Leseleuchten sowie gepolsterte Kopfteile zum Anlehnen stehen schon länger im Fokus. Doch jetzt beziehen die Hersteller die Rückenteile noch dicker mit gemütlichen Lagen und im Stil von Sofas. Man sitzt aufrechter und damit besser. Und die Beleuchtung wird ausgefeilter.

Auch die übliche Unterhaltungselektronik findet immer mehr Platz und Anschlussmöglichkeiten im Schlafzimmer. Aus Sideboards lassen sich Fernseher ausfahren, Nachttische haben Docking-Stations und integrierte Steckdosen für Handys.

Einher geht das mit einem Wandel bei den Betten: Einen anhaltenden Hype erleben die hohen Polsterbetten, bekannt unter dem Markennamen Boxspring. Zwar könne die Branche noch nicht absehen, wie sehr diese Bettenvariante sich durchsetzen wird, sagt Claudia Wieland vom Fachverband Matratzen-Industrie. „Diejenigen, die sie selbst im Angebot haben, glauben aber, dass sich der Anteil bei 30 Prozent einpendeln wird.“

Die Hersteller üblicher Betten ziehen nach: Sie produzieren nun selbst die Polsterbetten, sagen Wieland und Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbel-Industrie übereinstimmend. Oder die herkömmlichen Kastenbetten werden höher. Denn nach Ansicht der Expertinnen sind Boxspringvarianten auch deshalb so beliebt, weil ihre Einstiegshöhe so bequem ist.

Aber auch die Möbel werden „wohnlicher“. Es gibt vermehrt Regalsysteme für Dekorationen, teils beleuchtet, was im Schlafzimmer bisher nicht üblich war. Und: Sessel oder gar Sofas finden nun Platz in diesem Zimmer. Dafür verschwinden vermehrt die rein praktischen Teile des Raumes: Die Fertigbaubranche meldete 2015, dass 15 Prozent der Neubauten einen begehbaren Kleiderschrank haben, berichtet Geismann. Wuchtige Schränke im eigentlichen Schlafzimmer braucht man dann nicht mehr.

Doch die Frage ist, ob sich dieser Wohntrend durchsetzen kann. Schönere, durchdachte Möbel kommen immer an. Aber für viele soll das Schlafzimmer doch bewusst Schlafzimmer bleiben: So verhilft weniger Schnickschnack eher zu gutem Schlaf.