AUGSBURG - Attraktives Bauland ist knapp und teuer. Besonders in Ballungsräumen werden deshalb Grundstücke angeboten, die wegen hoher Bodenpreise lediglich um die 400 Quadratmeter groß sind.

„Wichtig ist, sich vor dem Kauf eines kleinen Grundstücks bewusst zu machen, welche Ansprüche man als späterer Bewohner an das Haus hat“, sagt der Architekt Thomas Drexel aus Augsburg. Verzichtet werden muss zum Beispiel auf einen größeren Garten.

„Ein Einfamilienhaus kann auf einem Grundstück von 400 Quadratmetern errichtet werden, wenn das Grundstück quadratisch oder zumindest viereckig ist“, erklärt Drexel, Autor eines Buchs über das Bauen auf kleinen Grundstücken. Bei schlecht geschnittenen Grundstücken wird es schnell problematisch. Künftige Bauherren sollten deshalb vor dem Kauf einen professionellen Planer hinzuziehen. Ein stundenweise engagierter Architekt kann verlässlich abklären, ob das angepeilte Grundstück und die Bauwünsche zusammenpassen.

„Eine fachliche Beratung beim Grundstückskauf ist auch wichtig, weil die Wahl des Grundstücks großen Einfluss auf die späteren Baukosten hat“, fügt Drexel hinzu. Ein schwieriger Untergrund kann die Kosten nach oben treiben, wenn eine aufwendige Fundamentierung oder eine Unterkellerung nötig werden. Ist das Grundstück schlecht erschlossen, müssen weitere Wege mit höherem Material- und Zeitaufwand eingeplant werden.

Ein klassisches Einfamilienhaus auf einem Grundstück von 400 Quadratmetern – für den Architekten Holger Reiners aus Hamburg ist das problematisch. Bei solch kleinen Parzellen sollte über eine Doppel- oder Reihenhausbebauung nachgedacht werden, rät er. Der zur Verfügung stehende Platz wird bei diesen Haustypen besser ausgenutzt und es bleibt mehr Fläche für den Garten erhalten, erklärt Reiner Pohl von der Initiative „Massiv mein Haus“.

Bei einem Einfamilienhaus sieht das anders aus: „Auf vielen kleinen Grundstücken kann der spätere Besitzer nur um sein Haus herumgehen“, warnt Pohl. Außerdem lebe man wegen des fehlenden Abstandes nicht ungeniert, da durch die Fenster dem Nachbarn viel Einblick ins Familienleben gegeben wird.

„Bei kleinen Grundstücken empfiehlt sich immer der Bau eines Kellers, um Abstellplatz für Gartengeräte zu schaffen“, rät Pohl. So müsse nicht noch Gartenfläche für Gartenhäuser geopfert werden.

Beim Bauen in Baulücken gilt es vor dem Kauf eines kleinen Grundstücks, das direkte Wohnumfeld genau zu analysieren. „Geachtet werden sollte auch auf mögliche Verschattungen durch hohe Gebäude“, empfiehlt Drexel. Ein weiterer Aspekt seien die jeweiligen Sichtachsen von den späteren eigenen Fenstern auf die Nachbargrundstücke.

Als Trennung zwischen Reihen- oder Doppelhäusern kann eine dazwischen gesetzte Garage dienen, rät Architekt Reiners. Das Haus sollte so platziert werden, dass in dem von der Straße abgewandten Teil ausreichend Platz für einen Garten bleibt. Die Fenster werden am besten zum Garten hin ausgerichtet. Bei einer Grenzbebauung von lediglich drei Metern Abstand zu den Nachbarn darf kein Fenster in die Fassade eingebaut werden.