DARMSTADT -

Ein Umbau zum Drei- bis Vier-Liter-Haus ist auf jeden Fall möglich. Passivhaus-Komponenten müssen mit Bedacht ausgewählt werden.

DARMSTADT/GMS - Sanierungen können die Energierechnung für einen Altbau auf ein Zehntel oder noch weniger reduzieren. Ihn in ein besonders energiesparendes Passivhaus zu verwandeln, kann jedoch teuer werden. Fachleute empfehlen deshalb, Aufwand und Ersparnis gegeneinander aufzurechnen und möglicherweise nur einzelne Passivhaus-Komponenten einbauen zu lassen.

„Unsaniert benötigen bestehende Gebäude im Schnitt 22 Liter Heizöl oder Gas pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr“, sagt Jens Knissel von Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Technisch sei es sogar möglich, einen Altbau zum 1,5-Liter-Passivhaus zu machen, so Knissel. Ob sich dies allerdings ökonomisch rechne, hänge von den bautechnischen Besonderheiten des Objekts ab.

„Dagegen ist ein Drei- bis Vier-Liter-Haus bei einer Sanierung von Althäusern aber immer drin.“ „Aus einem Althaus ein Passivhaus zu machen, ist recht schwer und rechnerisch oft unökonomisch“, meint dagegen Architekt Burkhard Schulze Darup aus Nürnberg. Denn der Baustandard eines Passivhauses werde vor allem durch eine wesentlich dickere Wärmedämmung, konsequente Vermeidung von Wärmebrücken, Dreifach-Verglasungen der Fenster und Wärmerückgewinnung durch Lüftungsanlagen erreicht. Das sei bei einem Altbau nicht immer möglich.

„Schwierigkeiten bei der Sanierung zum Passivhaus machen häufig vorhandene Streifenfundamente oder eine Bodenplatte, die von unten nicht mehr mit Dämmstoffen abisoliert werden können“, erläutert der Architekt Stefan Oehler aus Bretten. Dadurch entstünden Wärmebrücken. An Fassaden könnten manchmal nicht die zusätzlich erforderlichen Dämmdicken für ein Passivhaus angebracht werden, da sonst der Gehweg in Mitleidenschaft gezogen werde. In solchen Fällen müsse immer ein Kompromiss gefunden werden.

Sanieren mit Passivhauskomponenten kann aber auch Bauschäden vorbeugen. „Bei vielen konventionellen Sanierungen werden nur die Fenster erneuert“, sagt Oehler. Wegen der viel dichteren Fenster schlage sich Kondenswasser an den kalten, ungedämmten Wänden nieder. Das könne im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung führen, wenn nicht ausreichend von Hand gelüftet wird. Durch die hohe Wärmedämmung der Außenwände und die ständige Abführung von Luftfeuchte durch die Lüftungsanlage bei Sanierungen mit Passivhauskomponenten bilde sich dagegen kein Kondensat. Dadurch verringere sich auch die Gefahr von Schimmelpilz erheblich.