DESSAU - Es ist ein Albtraum, der praktisch jeden treffen kann: Mit Beginn der Heizperiode treten in der Wohnung plötzlich schwarze, schmierige Beläge an Wänden, Decken, Fenstern und Möbeln auf. „Die Ablagerungen zeigen sich in der Regel nach Renovierungen, oft mit mehrwöchiger bis mehrmonatiger Verzögerung“, sagt Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt (UBA). Sie treten aber auch auf, wenn Wohnungen neu errichtet oder aufwendig saniert wurden.

Lagert sich plötzlich schwarzer Staub in der Wohnung ab, wird vom „Phänomen Schwarze Wohnung“, einem „Fogging-Effekt“ oder „Magic Dust“ gesprochen. „Erst Mitte der 1990er Jahre ist das Umweltbundesamt mit diesem Problem konfrontiert worden“, sagt Moriske. Damals hätten viele Hersteller bei Bau- und Renovierungsprodukten sowie Einrichtungsgegenständen vermehrt Lösemittel durch schwerflüchtige organische Verbindungen ersetzt. Sie können unter anderem in Wand- und Bodenmaterialien wie etwa Vinyltapeten, Farben und Lacken, PVC-Belägen, Fußbodenklebern, Kunststoffdekorplatten und Holzimitat-Paneelen enthalten sein.

„Nach Malerarbeiten und Fußbodenverlegearbeiten gasen diese schwerflüchtigen organischen Verbindungen aus Baustoffen, aber auch aus Einrichtungsgegenständen aus“, erläutert Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Verbindungen setzten sich dann bevorzugt an kalten oder elektrostatisch geladenen Flächen ab. Mit kleinen Staubteilchen aus der Raumluft bildeten sie dort den grauen, klebrigen Belag.

„Das Einbringen von schwerflüchtigen organischen Verbindungen mit Wand- und Bodenmaterialien führt aber nicht zwangsläufig zu einer schwarzen Wohnung“, sagt Ulrich Zink vom Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung. In der Praxis lasse sich beobachten, dass nach der Sanierung ganzer Wohnblöcke nur in einzelnen Wohnungen Fogging auftritt, obwohl alle Wohnungen mit den gleichen Materialien renoviert wurden.

Baumängel, der Gebrauch von Öllämpchen und rußenden Kerzen, das Abschalten der Heizung bei Abwesenheit oder mangelndes Lüften können Gründe für die Ablagerungen sein. Die Ursachen sollten rasch geklärt und die Beläge beseitigt werden.

„Fogging-Ablagerungen in der Wohnung sind aber kein Grund zu Panik“, sagt Moriske. Von den Ablagerungen gehe keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. In den betroffenen Wohnungen gebe es nur geringfügig höhere Konzentrationen von schwerflüchtigen organischen Verbindungen. Diese lägen deutlich unterhalb der Schwelle einer möglichen Gesundheitsgefahr. Anders sei dies, wenn die Ablagerungen erhöhte Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen oder an Ruß aufweisen. „Hier kann es ein Gesundheitsrisiko geben“, warnt der UBA-Experte.