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NWZonline.de Region

Der blinde Passagier im Urlaubsgepäck

28.08.2018

Viele Menschen glauben, dass mangelnde Hygiene die Ursache für den Bettwanzenbefall sei – doch das ist ein Irrtum. „Wir erleben immer wieder, dass die saubersten und hygienisch einwandfreien Haushalte betroffen sind“, stellt Claudia Kasig von der JamiroTec Schädlingsbekämpfung GmbH aus Bremen klar. Die Ursache für die Ausbreitung sei vielmehr die Globalisierung. „Ob Flugzeug, Bahn, Überlandbus oder Kreuzfahrtschiff, die Transportmöglichkeiten sind immer wieder mit Wanzen befallen.“ Diese machen es sich dann unbemerkt im Urlaubsgepäck oder auf der Kleidung bequem und reisen mit.

Auch durch alte Möbelstücke oder gebrauchte Klamotten, auf dem Flohmarkt oder im Internet gekauft, können Bettwanzen oder deren Eier ins Haus gelangen. Häufig werden die blutsaugenden und ungewollten Bettgenossen erst bemerkt, wenn sie sich bereits vermehrt haben und dann jede Nacht zubeißen – die nachtaktiven Insekten ernähren sich von unserem Blut.

Bettwanzen erkennen

Bettwanzenbisse können von Mensch zu Mensch unterschiedlich aussehen. „Einige reagieren extrem darauf. Auf ihrer Haut bildet sich ein Ausschlag oder es entstehen Pusteln“, erklärt Kasig. Bei anderen sieht man gar nichts. In solch einem Fall werden die Bewohner auf die Wanzen erst durch Blutspuren oder Kotablagerungen aufmerksam. „Letztere sehen aus wie kleine Kaffeekrümel“, erläutert die Expertin.

Bettwanzen gelten nicht als gefährlich und sie sollen auch keine Krankheiten übertragen. Im schlimmsten Fall kommt es nach den Bissen zu einer Narbenbildung. „Ich kann aber nur immer wieder bestätigen, dass ein Bettwanzenbefall die Psyche der Menschen in eine Extremsituation bringt. Da ist der Ekel, die Scham – man möchte ganz einfach so etwas nicht im Haus haben“, erklärt Kasig. „Ein Sicherheitsingenieur sagte mir einmal, er hätte schon Feuer- und Wasserschäden im Haus gehabt – aber die Wanzen seien mit Abstand das Schlimmste, was ihm und seiner Familie je passiert ist.“

Richtig handeln beim Befall

Besteht der Verdacht, dass sich Wanzen im Haus eingenistet haben, sollten auf keinen Fall irgendwelche Insektensprays versprüht werden. So werden die Tiere nämlich in andere Räume versprengt und kontaminieren noch mehr Zimmer. „Viele Menschen wechseln verständlicherweise das Bett, sofern sie einen Befall bemerken – leider kommen die Wanzen dann hinterher“, gibt Kasig zu bedenken. Man kann die Tiere auch nicht aushungern. Selbst ohne Blutmahlzeit können sie monatelang überleben.

Kasig rät: Zunächst doppelseitiges Klebeband rund um die Matratze verteilen. So können die Tiere nicht an den Menschen herankommen. Außerdem lohnt es sich, das Klebeband auch im Türrahmen zu befestigen, damit die Wanzen nicht in andere Räume abwandern. Werden Tiere gefangen, können diese zur Analyse zum Schädlingsbekämpfer gebracht werden. „Oftmals handelt es sich um andere Insekten wie Speck- oder Teppichkäfer.
Die Haare der Larven sind auch allergieauslösend“, sagt Kasig.

Der richtige Riecher

JamiroTec setzt bei der Suche nach Wanzen auf tierische Unterstützer. „Wir arbeiten mit einem Wanzenspürhund und bilden einen zweiten aus“, erläutert Kasig. Jamiro, ein schwarzer Labrador, nach dem auch das Unternehmen benannt worden ist, erleichtert die Arbeit enorm. „Mit dem Spürhund ist es möglich, Räume viel schneller auf Bettwanzen zu überprüfen, als ausschließlich mit Personal“, sagt Kasig. „Der Hund nimmt den Geruch von Bettwanzen binnen kürzester Zeit auf und zeigt auf Millimeter genau an, wo sich die Tiere befinden, während die Techniker bei der Suche Betten, Fußleisten und Steckdosen komplett auseinanderbauen müssten.“

Wie lange die Bekämpfung dauert, hängt von der jeweiligen Stärke des Befalls ab, und es gibt unterschiedliche Möglichkeiten. „Beim Einsatz von Insektiziden müssen bis zu drei Behandlungen eingerechnet werden, da alle Tiere mit dem Stoff in Kontakt kommen und benetzt werden müssen, und unter anderem die Eier oft versteckt sind, hinter Steckdosen zum Beispiel. Sie würden bei einer einzelnen Behandlung nicht erfasst werden. Die folgende Generation würde das also überleben“, erklärt Kasig.

Bei der Hitzebehandlung reicht dagegen eine einzelne Behandlung aus. Spezielle Geräte kommen dann zum Einsatz und heizen die befallenen Räume auf. „Das Eiweiß der Wanze stockt ab 48 Grad. Somit überleben das auch die Eier nicht“, erklärt Kasig. Die dritte Möglichkeit ist die Begasung. „Wir können ein ganzes Haus in Folie einpacken und begasen. Damit sind dann Wanzen in allen Stadien sofort abgetötet“, sagt Kasig.

Viele krabbelnde Untermieter

Ohne es zu wissen, teilen wir unser Heim mit vielen winzigen Lebewesen. Während die meisten von ihnen einfach ignoriert werden können, besteht bei einigen Handlungsbedarf, weil sie uns beziehungsweise unserem Mobiliar schaden können.
Was für einen Bettwanzenbefall gehalten wird, entpuppt sich oft als Speckkäferplage. Diese Krabbeltiere sind häufig in Wohnungen und Häusern zu finden, weil sie sich bei Zimmertemperatur besonders wohlfühlen und hier ausreichend Nahrung finden.
Der Gemeine Speckkäfer wird von Hautschuppen und menschlichem Körpergeruch angelockt.
Als sogenannter Materialschädling ernährt er sich vor allem von Textilien und Wolle – Kleidung und Polstermöbel können also Schäden erleiden. In seltenen Fällen fressen die Larven und Käfer auch Vorräte. Angefressene Lebensmittel werden dann ungenießbar.

Die Rückkehr der Bettwanzen

Bettwanzen galten eigentlich als ausgerottet, seit sie in den 40er- und 50er-Jahren mit chemischen Keulen wie dem Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) bekämpft wurden. Doch sie sind zurück. Unter anderem, weil der hochgiftige Stoff verboten wurde, und weil viele Bettwanzenstämme inzwischen Resistenzen gegen bestimmte Insektizide entwickelt haben. Der weltweite Flugverkehr sorgt auch dafür, dass sich die Plagegeister als blinde Passagiere weiter ausbreiten.

Die blutsaugenden rot-bräunlichen Insekten sind weltweit verbreitet und ganzjährig anzutreffen. Sie werden etwa 2,6 bis 6 Millimeter groß, haben eine ovale Form und sechs behaarte Beine. Ihre Eier sind weiß beziehungsweise cremefarbig und nur knapp einen Millimeter groß – das Bettwanzenweibchen legt zehn bis zwölf pro Tag.

Tagsüber sind die Wanzen mit bloßem Auge kaum zu entdecken, nicht nur aufgrund ihrer Größe, sondern auch, weil sie sich geschickt verstecken – zum Beispiel hinter Tapeten und Heizungsrohren, in den Kanten der Matratzen oder in Steckdosen und hinter Lichtschaltern. Erst, wenn es dunkel wird, kriechen die nachtaktiven Schädlinge aus ihren Verstecken. Neben Bissen, Blut- und Kotspuren kann man Bettwanzen auch anhand von Häutungsresten erkennen. Die Insekten durchlaufen mehrere Stadien. Jede Phase wird mit einer Häutung eingeleitet. Die dabei hinterlassenen Rückstände finden sich meist in der Nähe der Nester. Die Hautreste sind fast völlig durchsichtig und erinnern in ihrer rundlichen Form an Bettwanzen.

Ist eine Wohnung mit Bettwanzen befallen, müssen sich Profis so schnell wie möglich ans Werk machen. Nur der Schädlingsbekämpfer kann die Insekten dauerhaft entfernen. Das schnelle Einschalten der Kammerjäger lohnt sich also. Wird ein Befall zu stark, müssen eventuell sogar Betten und Sofas entsorgt werden.

So beugen Sie vor

Bettwanzen breiten sich weltweit immer mehr aus. Die Insekten werden aus dem Urlaub im Reisegepäck mit nach Hause genommen oder verstecken sich in gebraucht gekauften Gegenständen.
Das Umweltbundesamt rät, auf Reisen die Unterbringung genau auf Bettwanzenspuren zu untersuchen. Gegebenenfalls sollte ein anderes Zimmer verlangt werden. Besteht der Verdacht, dass die Wanzen im Gepäck sind, rät die Behörde, die Koffer und Taschen nach der Rückkehr in der Badewanne auszupacken – so lassen sich die Tiere besser erkennen.
Das Gepäck kann außerdem noch vor dem Öffnen von einem Schädlingsbekämpfer begast werden, wenn man sich sicher ist, Wanzen mitgeschleppt zu haben.
Gebrauchtwaren sollten vor dem Erwerb ebenfalls auf Bettwanzenspuren untersucht werden. Sperrmüll von der Straße sollte dem Amt zufolge nicht mitgenommen werden.



     www.jamirotec.de 

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