HAMBURG - Stromleitungen sollten vor dem Bohren geortet werden. Im Bad kann die Frischwasserversorgung getroffen werden.
Die Schlagbohrmaschine ist das von Heimwerkern am häufigsten verwendete Elektrowerkzeug, sagt Susanne Woelk von der Aktion „Das sichere Haus“. Doch ganz unbedarft sollten sie beim Bohren nicht vorgehen, denn ein Loch an der falschen Stelle kann weitreichende Folgen haben.
Wenn plötzlich die Sicherung rausfliegt, war dem Bohrer wahrscheinlich eine Elektroleitung im Weg. „Dann haben Sie mit dem Steinbohrer eine Verbindung zwischen dem Außenleiter und dem Neutralleiter oder dem Schutzleiter hergestellt“, erklärt Stefan Ehleiter, Diplomingenieur der Elektrotechnik aus Mainz. Wird nur eine der beiden Adern getroffen, kann es unangenehm werden. „In der Regel sind die Bohrmaschinen schutzisoliert. Wenn der Schutzleiter der Maschine aber defekt ist, wird der Strom über die Maschine und den Menschen abgeleitet.“ Dann verkrampfen sich die Muskeln, möglicherweise kann der Betroffene die Bohrmaschine nicht mehr loslassen, und ein lebensgefährliches Herzkammerflimmern droht. Helfer sollten schnellstmöglich die Sicherung abschalten, um den Stromkreis zu unterbrechen, oder den Betroffenen mit einem nicht-leitenden Gegenstand von der Stromquelle wegstoßen, rät Woelk. Ein Bohrunfall mit solch drastischen Folgen komme aber nur selten vor.
Ebenso selten, aber nicht weniger gefährlich ist es, den grün-gelben Schutzleiter zu treffen. Das fällt erst einmal gar nicht auf, denn alles funktioniert wie gehabt. „Die Leitung ist nur für den Fall vorhanden, dass durch einen Defekt in einem Elektrogerät die Fehlerspannung über sie und nicht über den Mensch abgeleitet wird“, erklärt Ehleiter. Ist der Schutzleiter jedoch unterbrochen, steht das defekte Gerät komplett unter Strom.
„Bohre niemals in den Boden und im Bad nie in die Wand“, empfiehlt zudem Thorsten Rabe, Installateur für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik. Wer die Frischwasserversorgung oder ein Heizungsrohr getroffen hat, merkt das sofort: „Das Wasser sprudelt so lange, bis die Hauptleitung abgedreht ist.“
Unbemerkt bleibt hingegen ein Loch in der Abwasserleitung. Dort steht das Wasser nicht unter Druck, sondern sickert langsam heraus und gelangt unbemerkt in Boden und Wände. „Manchmal wird der Schaden erst Wochen später am strengen Geruch bemerkt, und dann steht eine komplette Sanierung an.“
Wer einige Vorsichtsmaßnahmen trifft, kann das Risiko einer Kollision mit versteckten Leitungen verringern. So werden Stromleitungen in der Regel waagerecht und senkrecht von einer Steckdose weg verlegt. Doch manch einer verlegt die Leitungen laut Ehleiter auch diagonal, um Material zu sparen. „Ich empfehle deshalb, ein Leitungssuchgerät einzusetzen.“ Solche Geräte sind beim Fachmann oder im Baumarkt erhältlich.
