Berlin - Bei einem Einfamilienhaus kommen nach einer Rechnung des Bauherren-Schutzbundes in Berlin zwischen 10 000 und 25 000 Euro zusammen. Dafür müssen Bauherren aber mehrere hundert Stunden malochen – das schlaucht und ist oft einfach nicht zu packen.

Denn zum einen braucht ein Laie für Arbeiten am Bau nach Schätzung von Experten zehnmal länger als ein Handwerker. Zum anderen wird nach Feierabend und am Wochenende geschuftet. Die ohnehin anfallende Bauorganisation kommt noch dazu. Da muss die ganze Familie mitziehen. „Klare Absprachen treffen und einhalten“, fordert Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB). Die Großeltern betreuen die Kinder, Fußball und Friseurbesuch werden konsequent hintangestellt. Funktioniert das nicht, heißt es am Ende womöglich „Haus fertig, Ehe fertig“.

Angehende Hausbesitzer sollten ihre Fähigkeiten richtig einschätzen. Damit schützen sie nicht nur sich selbst, sondern haben auch bessere Karten bei der Bank. Die klopfen nach den Erfahrungen von Axel Drückler von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern die Vorstellungen der Bauherren genau ab. „Wer den Rohbau in Eigenleistung errichten will, muss darlegen, wie das passieren soll“, erläutert er.

Tätigkeiten wie Klempnern trauen die Geldgeber einem Laien nicht zu, sind Bruder oder Schwager vom Fach, überzeugt das eher. Generell erkennen die Banken aber Arbeiten wie Tapezieren, Streichen oder Boden verlegen meist ohne Nachfrage an.

Um die Arbeiten mit dem Familienleben zu koordinieren, rät Reinhold-Postina: „Das ideale Betätigungsfeld liegt möglichst weit weg vom Lebensmittelpunkt“. Dach, Keller, Garten sind demnach optimal. Darüber hinaus bieten Gartenarbeiten hohes Sparpotenzial. Arbeiten an Statik, Strom und Wasser sind aus Sicherheitsgründen tabu.

Es gibt verschiedene Methoden, den Wert der Muskelhypothek zu kalkulieren. Verbraucherschützer Drückler vergleicht die selbst erbrachte Leistung mit der eines Handwerkers: „Der Fliesenleger verlangt 5000 Euro. Davon sind 3000 Euro Arbeitskosten, die lege ich zugrunde.“ Eva Reinhold-Postina berücksichtigt den Gesamtaufwand: Der reinen Arbeitszeit stellt sie noch anfallende Zeiten für Fahrten sowie Material- und Gerätebeschaffung sowie mögliche Leihgebühren für Werkzeug gegenüber.

Diese Faktoren fließen ebenso ein in die Überlegung, ob Eigenleistung sinnvoll ist, wie das Entgelt für mithelfende Freunde und Verwandte. Die Grenze zur Schwarzarbeit ist schnell erreicht. „Schon mit 500 Euro sind Sie dicke drin“, sagt Rechtsanwalt Peter Oppler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) im Deutschen Anwaltverein (DAV). Er rät, keine Einnahmen am Staat vorbeizuschleusen. Auf Nachsicht können Bauherren hier nicht hoffen – der Fiskus „zeigt eher Tendenz zur Strenge denn zur Nachsicht“.