RASTEDE - „Gerade in der heutigen hektischen Zeit sind vermehrt Nachfragen nach Bauern- und Landhäusern zu verzeichnen“, berichtet Thorsten Schmidt, Diplom-Immobilienwirt DIA und Geschäftsführer von Th. & Claus Schmidt Immobilien in Großenmeer und Rastede. „Viele Kaufinteressenten verspüren den Wunsch nach einem Leben in der Natur, nach Entspannung sowie Entschleunigung und möchten sich mit dem Kauf eines Bauern- oder Landhauses, einer ehemaligen Hofstelle, einen Lebenstraum erfüllen“, erklärt Schmidt. Gerne würden für die private Pferdehaltung auch angrenzende Ländereien mit erworben oder gepachtet.
„Zurück zur Natur scheint es die Menschen immer dann zu ziehen, wenn sie sich individuell oder kollektiv in Krisensituationen befinden“, zitiert Thorsten Schmidt den Natursoziologen Rainer Braemer. Aber auch für Menschen mit Allergien empfehle sich wegen der jodhaltigen Luft ein Leben auf dem Land. „Stadt oder Land werden mittlerweile nicht mehr als widersprüchliche Wohnorte empfunden“, meint Schmidt. Durch die Mobilität der Menschen, sich gegenseitig unterstützende Nachbarschaften und die Nähe zu den Ballungszentren sei das Wohnen auf dem Lande absolut lebenswert.
Die gute Nachfrage nach ehemaligen Bauernhäusern, möglichst reetgedeckt und mit Ständer- und Fachwerk versehen, bezieht sich laut Schmidt sowohl auf restaurierte als auch auf sanierungsbedürftige Objekte. Durch den Generationswechsel kämen immer wieder neue Angebote auf den Markt: Die älteren Eigentümer, die vormals die Landwirtschaft betrieben und zuletzt vielleicht schon verpachtet hatten, verkaufen aus Altersgründen jetzt ihr Haus mit etwas Land drumherum. „Diese Resthöfe sind sehr gefragt“, sagt Thorsten Schmidt.
Um ein vollständig saniertes Bauernhaus erwerben zu können, sollten mindestens 300 000 Euro einkalkuliert werden – nach oben gibt es keine Grenze. Wer bereit ist, ein betagtes Haus nach eigenen Vorstellungen herzurichten, muss entsprechend weniger Geld für den Kauf aufwenden. Den Denkmalschutz müssen Interessenten dabei nicht fürchten, meint Schmidt. Vielmehr eröffne er steuerliche Vorteile: Bis zu 90 Prozent der Investitionen in den Erhalt einer eigengenutzten denkmalgeschützten Immobilie können über zehn Jahre bei der Einkommensteuer abgesetzt werden. Dazu zählen u.a. die Kosten für Heizung, Dach und Fenster, Elektro-Installationen oder den Einbau eines Bades. Bei vermieteten denkmalgeschützten Immobilien können sogar bis zu 100 Prozent über zwölf Jahre steuerlich abgesetzt werden.
Unterstützung beim Erhalt historischer Gebäude finden Eigentümer in der Weser-Ems-Region beim Monumentendienst. Die Initiative der gemeinnützigen Stiftung Kulturschatz Bauernhof gewährt neutrale Beratung ebenso wie praktische Hilfe.
„Bereits mein Großvater und Firmengründer Theodor Schmidt sprach davon, dass ein altes Haus eine Seele habe und jede Schwelle, jeder Balken, jeder Stein Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt“, erinnert sich Thorsten Schmidt. Bereichert werde der Charme der Landhäuser häufig durch ebenso ansprechende Bauerngärten – vielleicht sogar mit altem Buchsbaumbestand. Noch sei der Generationswechsel auf dem Land nicht abgeschlossen: „Danach werden nur noch vereinzelt Immobilien freigegeben von Leuten, die sie sich hergerichtet haben.“ Doch wer sich erstmal ein behagliches Domizil geschaffen habe, werde es sicher nicht mehr so schnell verlassen.
