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NWZonline.de Region

Beim Biogas völlig auf Mais verzichten

27.04.2011

FRIESOYTHE Die Trinkwasserverordnung, die Eigenverantwortung der Wasserversorger und der vorsorgende Grundwasserschutz in Kooperation mit den Landwirten in den Trinkwasserschutzgebieten sorgen dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger beim Genuss des Trinkwassers aus dem heimischen Wasserhahn absolut sicher fühlen dürfen. Frisch, rein und genusstauglich muss das Wasser sein – und weich, wenn man einen guten Tee aufbrühen will. Diesem Ziel fühlen sich alle Wasserversorger in der hiesigen Region in höchstem Maße verpflichtet.

Grenzwerte einhalten

Die Einhaltung von Grenzwerten ist dabei ein gesetzlich definiertes Minimal-ziel. Wesentlich besser zu sein, ist die eigentliche Herausforderung. Dieses gilt selbstverständlich auch für das Nitrat, dem einzigen Stoff, der im ländlichen Raum infolge einer fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft zu Problemen bei der Wasserversorgung führen kann.

Vor diesem Hintergrund trafen sich Landwirte aus den Trinkwasserschutzgebieten des Oldenburgisch Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV), Vertreter des Landvolks und Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit der Geschäftsführung des OOWV, um gemeinsam neue Möglichkeiten im Rahmen des vorsorgenden Grundwasserschutzes zu diskutieren. Das zentrale Thema des Gesprächs war dabei der Maisanbau im Zusammenhang mit der Produktion von Biogas.

„Die Ziele des Klimaschutzes und des Trinkwasserschutzes unter einen Hut zu bekommen – das ist die Aufgabe, der wir uns gemeinsam stellen müssen“, betonte der Geschäftsführer des OOWV, Karsten Specht. Da er selber ausgebildeter Landwirt sei, verstehe er die Interessenlage wirtschaftlich handelnder Landwirte sehr gut. Zugleich kritisierte er vereinzelte Medienberichterstattungen, die erhöhte Nitratbelastungen im oberflächennahen Grundwasser in Zusammenhang gebracht hatten mit der so genannten Blausucht bei Säuglingen: „Solche Fälle hat es trinkwasserbedingt seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr gegeben und sie können zukünftig auch nicht mehr vorkommen, weil die strengen Kontrollen der Gesundheitsämter und die Eigenüberwachung der Wasserversorger dies heute ausschließen.“

Unterschiedliche Interessen

In den Trinkwasserschutzgebieten stehen sich Landwirtschaft und Wasserwirtschaft oftmals mit sehr unterschiedlichen Interessen gegenüber. Die Land-wirte brauchen insbesondere im Zusammenhang mit der investitionsintensiven Umstellung ihrer Betriebe auf die Produktion von Biogas sichere aber auch hohe Erträge von nachwachsenden Rohstoffen – vornehmlich Mais. „Maisanbau und Biogasanlagen müssen nicht im Widerspruch zum Trinkwasserschutz stehen. Es gibt genug positive Beispiele. Die Höhe der Düngung ist nach den Ergebnissen unserer Wasserschutzversuche ein entscheidender Schlüssel für niedrige Nitratwerte auf den Maisflächen nach der Ernte“ darauf wies Onno Seitz, Fachreferent für Wasserschutz bei der Landwirtschaftkammer Niedersachsen hin. Die Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer und der OOWV stellen jedoch in den Sandböden der Wassergewinnungsgebiete wiederkehrend erhöhte Stickstoffwerte nach der Maisernte fest. Dieser Stickstoff kann im Winterhalbjahr ins oberflächennahe Grundwasser ausgewaschen werden.

„Um die bislang sehr guten Erfolge der Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserversorgung auch zukünftig halten zu können, brauchen wir in den Wasserschutzgebieten zusätzliche, rentable Alternativen zum Mais“, war daher die folgerichtige Forderung von Georg Glup, dem Vorsitzenden der Kooperation in den Wassergewinnungsgebieten des OOWV.

Sonderregelung nutzen

Der für das Wasserschutzgebiet Großenkneten zuständige Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer, Timo Schürmann verwies in diesem Zusammenhang auf eine Biogasanlage im Wasserschutzgebiet, die völlig auf den Anbau von Mais verzichten kann. Stattdessen nutzt der Betreiber eine Sonderregelung im Energieeinspeisegesetz und verwendet ausschließlich Material, das bei der Landschaftspflege anfällt, z.B. Blühpflanzen, Grasschnitt oder Ganzpflanzensilage.

Verzicht auf Mineraldünger

Neben dem Verzicht auf Mineraldünger und dem stark eingeschränkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stammt das Material von Flächen, die einen besonderen Schutzstatus aufweisen, in diesem Fall aus dem Wasserschutzgebiet. Der Aufwand für Anbau und Ernte ist höher, dafür bekommt der Betreiber einen höheren Preis für den erzeugten Strom.

Sowohl aus Sicht der Landwirte als auch des OOWV könnte die Biogasanlage im Wasserschutzgebiet Großenkneten Pilotcharakter für weitere Anlagen in den anderen Wasserschutzgebieten haben. Die Gesprächsbeteiligten vereinbarten daher, die Übertragbarkeit auf andere Anlagen zu überprüfen. Hubertus Berges, der als Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg das Gespräch moderierte, schlug abschließend vor, dass dazu auch Gespräche mit den Anlagenherstellern, den Genehmigungsbehörden und dem örtlichen Energieversorgungsunternehmen geführt werden sollten. Dieses könnte dann der nächste Schritt sein, um der Vereinbarkeit von Klimaschutz und Trinkwasserschutz ein Stück näher zu kommen und um zugleich die bislang gemeinsam erreichten, niedrigen Nitratwerte im oberflächennahen Grundwasser auch dauerhaft zu sichern.

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