BERNE - „Das ist ein trauriges Thema. Jeder verweist hier auf den anderen.“ Mit diesen Worten umschrieb Björn Thümler (CDU) im Umweltausschuss die verfahrene Situation bei der Storchenstation in Glüsing. Dabei stellte Thümler klar, dass er die Arbeit der Station positiv beurteile. „Sie erfüllt ihren Zweck, die Population der Weißstörche ist gewachsen.“

Bedauerlich sei allerdings, dass der Kreis Wesermarsch eine Bauvoranfrage der Gemeinde für die Schaffung eines Besucherparkplatzes an der L 868 (Höhe Storchenstation), die Einrichtung einer Überwegung, den Bau einer Beobachtungsplattform sowie eines Fußweges zur Station abgelehnt habe. Die Kreisverwaltung hatte für ihr Nein verkehrsrechtliche und naturschutzrechtliche Gründe ins Feld geführt (wie berichtet).

Und eben dieses Nein bringt den Landtagsabgeordneten auf die Palme: „Wenn man die Begründungen liest, kriegt man bei jedem dritten Absatz Schreikrämpfe.“ Er sei sich sicher, dass sich die Pläne der Gemeinde realisieren ließen, wenn denn der entsprechende Wille in Brake vorhanden sei. Als Skandal bezeichnete es Thümler, dass die Gemeinde auf ihre im September 2007 eingereichte Bauvoranfrage erst nach sechs Monaten eine Antwort erhalten habe. Lob gab es von Thümler für die Rathausverwaltung: „Ich begrüße es, dass die Gemeinde Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt hat.“

Um künftig bei der Storchenstation Fortschritte erzielen zu können, müsse man Gespräche mit der Landkreis-Spitze führen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass man vor Ort einfach nicht mehr weiter komme.

Bürgermeister Bernd Bremermann (SPD) bezeichnete die beiden derzeit laufenden Verfahren als eine Chance. Sie brächten Bewegung in die festgefahrenen Fronten. Zur Erinnerung: Auch Storchenvater Udo Hilfers hat beim Kreis einen Bauantrag für den Bau von Pkw- und Busparkplätzen sowie die Umnutzung seines Storchenhauses gestellt. Allerdings stößt Hilfers‘ Antrag gerade bei seinen Nachbarn auf Kritik. Die fürchten massive Störungen durch die Besucher der Station.

Apropos Nachbarn: Eine Familie hat ihr Grundstück am Storchenweg vor kurzem durch den Bau eines Zaunes gesichert. Nach Auffassung von Udo Hilfers steht der Zaun allerdings auf Gemeindegrund. Auf Nachfrage mochte Bauamtsleiter Bernd Geers dies nicht gänzlich bestätigen. „Die mir vorliegenden Katasterkarten geben nicht die aktuelle Situation wider“, sagte Geers am Donnerstag vergangener Woche. Auch habe er nicht alle Grenzsteine finden können. Geers kündigte an, den Sachverhalt in Kürze aufklären zu wollen.

Damit die Konflikte in Glüsing endlich gelöst werden können, beauftragte der Umweltausschuss den Bürgermeister, alle Beteiligten zu einem „Spitzengespräch“ einzuladen. Man brauche ein „Gesamtkonzept“, hieß es.