Nordkreis - Hermann Witte kribbelt es schon in den Fingern: Abends den Kopf frei bekommen, seinem Hobby nachgehen, einen Ausgleich zum Alltag finden – das blieb dem Motorradfahrer aus Altenoythe in den vergangenen Monaten weitgehend verwehrt. Jetzt, wo der Frühling näher rückt, geht auch das Biker-Herz wieder auf. Und auch Witte freut sich schon, bald wieder häufiger auf seiner Maschine sitzen zu können. „Abends noch eine Stunde zu fahren, ist ein herrliches Gefühl“, erzählt er.
Auch Pastor Thomas Perzul aus Elisabethfehn ist startklar, seine rote BMW zugelassen und fahrbereit. „Nach den Wintermonaten ist es immer schön, das Motorrad fertig zu machen. Zum Fahren warte ich jedoch noch auf milderes Wetter.“ Er habe sämtliche Flüssigkeiten ausgetauscht und Lackschäden beseitigt.
Auf eine gründliche Kontrolle des Motorrads vor der ersten Fahrt weist auch Maren Fokken, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta, hin. Sie fordert zudem zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf: „Die Pkw-Fahrer sollten besonders sorgfältig gucken, dasselbe gilt jedoch auch für Motorradfahrer.“ Denn für Autofahrer seien Motorradfahrer schwieriger zu sehen als Pkw. Dazu kommt, dass viele noch nicht mit Motorrädern auf der Straße rechnen.
Fokken appelliert an die Biker, gerade jetzt besonders vorsichtig zu sein: „Die Motorradfahrer sind ein paar Monate nicht gefahren, momentan fehlt ihnen die Praxis, da kann man sich schnell überschätzen“, sagt die Polizeibeamtin. Besondere Kontrollen gibt es laut Fokken nicht: „Das wäre eine Stigmatisierung einzelner Verkehrsteilnehmer. Wir kontrollieren unterschiedlich und natürlich an Unfallschwerpunkten.“
B 72 beliebt
Im Nordkreis ist laut Polizeihauptkommissar Roland Wilke aus Friesoythe verstärkt auf der B 72 mit Motorradfahrern zu rechnen. Auch die Strecke zwischen Tange und Barßel sei besonders beliebt und auch bei der Kartbahn zwischen Ramsloh und Strücklingen würden sich die Biker regelmäßig treffen.
Keine Trends erkennbar
In der Werkstatt Zweirad Deyen in Friesoythe macht sich der Saisonbeginn bemerkbar: „Wir bekommen mehr Aufträge. Viele lassen ihre Motorräder überprüfen und vorbereiten“, sagt Geschäftsführer Willehad Deyen. Besondere Trends unter den Motorradfahrern zeichnen sich laut Deyen derzeit (noch) nicht ab. Bewährt seien weiterhin Schutzkleidung mit Protektoren, Kevlar-Handschuhe und Warnwesten.
Deyen selbst ist voller Vorfreude: „Ich habe mein Motorrad noch nicht aus der Garage geholt, doch die Freude, das demnächst gefahren werden kann, kommt langsam auf.“
Doch die Motorradfahrer kennen auch die Gefahren: Gerade Am Anfang fährt Thomas Perzul besonders vorsichtig: „Man muss sich wieder ans Fahren gewöhnen und daran denken, dass die Autofahrer sich auch umstellen und mit Motorrädern rechnen müssen“, sagt Perzul. Reflektoren und auffällige Kleidung seien zu empfehlen.
Hermann Witte vom Altenoyther Bikerclub weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Straßen zur Zeit noch nicht optimal zum Fahren seien: „Viele Schlaglöcher sind noch nicht ausgebessert, dazu kommt, dass der Asphalt nass und kalt ist und die Reifen nur eine Auflage von zwei Zentimetern Breite haben.“
Hobby wieder ausüben
Vorfreude aufs Motorradfahren herrscht ebenfalls bei den „Wild Hamsters“ in Bösel. Die Biker fiebern darauf hin, ihr „Hobby wieder ausüben zu können“, wie Mitglied Helmut Werner sagt. Eine „Hausstrecke“ haben die Fahrer nicht: „Im Umkreis bis 80 Kilometer sind wir auf sämtlichen Strecken unterwegs und fahren zu Bikertreffs“, erzählt Werner.
Nach dem Winter müsse man wieder neu anfangen zu lernen: „Vieles muss wieder ins Gedächtnis gerufen werden, wichtig ist vor allem die Blickführung“, weiß Werner. Damit ist gemeint, dass der Motorradfahrer am Hindernis, also beispielsweise Rollsplit oder einem Ölfleck, vorbeigucken müsse, um ihm auszuweichen.
