Stratford/Rastede - Seit gut einem halben Jahr arbeite ich an der St. Mary’s Diocesian School, einer Privatschule für Mädchen, in Stratford als Schulassistentin. Ich arbeite von Montag bis Freitag sechs Stunden pro Tag. Da ich als Freiwillige arbeite, bekomme ich jedoch nur ein Taschengeld bezahlt. Essen und Unterkunft werden gestellt.
Das Schulsystem muss man sich ein wenig anders vorstellen als in Deutschland: Die neuseeländischen Kinder beginnen mit fünf Jahren in die Grundschule zu gehen und verlassen diese nicht bis zur 6. Klasse, abhängig von dem Bezirk sogar bis zur 8. Klasse. Meine Schule beherbergt Mädchen, die in die 9. bis 13. Klasse gehen. An der so genannten „Secondary School“ haben die Schüler die Möglichkeit, das „New Zealand Certificate of Educational Achievement (NCEA)“ zu bestehen. Dabei wird, wie beim Abitur, der gesamte Stoff aus dem vergangenen Schuljahr durch Klausuren in bestimmten Fächern abgefragt. Damit die Schülerinnen der 11. bis 13. Klasse lernen können, müssen sie in der Zeit, in der die Examen geschrieben werden, nicht in die Schule gehen. Die Examen fanden am Ende des Schuljahres im Dezember statt, so dass es sehr ruhig im Boarding House war.
Ein weiterer Unterschied ist die Integration von lernbehinderten Schülern im neuseeländischen Schulsystem. Hier hat jeder die Chance auf den gleichen Abschluss. Auch Schulformen wie die Haupt- und Realschule kennt hier keiner. Daher besteht meine Hauptaufgabe darin, Schülerinnen zu helfen, die Lernschwierigkeiten haben und im Unterricht nicht mitkommen. Das ist nicht immer leicht, aber mit der Zeit lerne ich die Mädchen besser kennen und werde geduldiger.
Als ich im Juli meinen Stundenplan bekommen habe, war ich hauptsächlich im Mathematikunterricht in den Klassen 9 bis 11 eingeteilt. „Kein Problem“, dachte ich, „macht ja Spaß.“ Nachdem ich mich aber an die englischen Mathematikbegriffe gewöhnt hatte, wurden die 16 Stunden Mathematik pro Woche doch ein wenig langweilig. Jetzt habe ich einen abwechslungsreicheren Stundenplan: Ich bin nicht nur in Mathematik, sondern auch in Englisch, Social Studies (Erdkunde, Geschichte und Politik in einem Fach) und Science (Physik, Biologie und Chemie zusammengefasst) eingesetzt.
Ich unterstütze aber nicht nur im Unterricht. Zwei Stunden pro Woche verbringen ich und meine kanadische Mitfreiwillige in dem zur Schule gehörenden Sekretariat und erledigen typische Büroarbeiten: laminieren, kopieren oder Akten sortieren.
Unser Arbeitstag in der Schule geht von 8.30 bis 15.15 Uhr. Bis 18.30 Uhr haben wir frei, um dann die Schülerinnen für zwei Stunden beim Erledigen der Hausaufgaben zu betreuen. Das bedeutet für mich, dass ich für diese Zeit für die Neuntklässlerinnen verantwortlich bin und mit Rat und Tat zur Seite stehe. Ob es ein Projekt oder ein Arbeitsblatt ist und selbst, wenn ich keine Ahnung davon habe, was sie im Unterricht lernen, helfe ich so gut ich kann. Das kann manchmal allerdings auch anstrengend sein, da manche Schüler laut durch die Klasse schreien oder nicht still sitzen können. Trotzdem macht es mir Spaß, mit den Kindern zu arbeiten und ich genieße die Momente, wenn sie einen Lernerfolg haben oder echte Fortschritte zu sehen sind.
Natürlich komme ich nicht nur in Kontakt mit den Schülerinnen, sondern auch mit den Lehrern und Angestellten. Diese sind sehr nett und immer für ein kleines Gespräch offen. Es gibt sogar eine deutsche Mathelehrerin und besonders am Anfang habe ich es sehr genossen, mit ihr in meiner Muttersprache zu reden.
