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Stenografie 20-Jähriger verschreibt sich der Schrift

Evelyn Eveslage

Oldenburg - Jetzt die Silbermedaille in Varel und im vergangenen Jahr die Goldmedaille in Suhl (Thüringen) bei den bundesweiten Jugendmeisterschaften im Stenografieren: Thorsten Kempermann kann einige Erfolge vorweisen. Doch warum verbringt ein 20-jähriger Auszubildender seine Freizeit damit, eine Schrift auswendig zu lernen – statt mit Fußballübungen mit Diktaten für das eigene Hobby zu trainieren? „Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird“, erklärt er.

Leidenschaft per Zufall

Kempermanns Begeisterung für Stenografie wurde durch einen Zufall entfacht: Obwohl er sein Abitur 2011 an der Liebfrauenschule absolvierte, fand sein Computerkurs 2008 an der BBS Wechloy statt – wo sich auch die Oldenburger Stenografenvereinigung trifft. Eine Notiz der Stenografen an der Tafel ließ dem heute 20-Jährigen keine Ruhe. Gemeinsam meldete er sich mit fünf Kumpels zum Steno-Kurs an. „Die ersten drei Buchstaben waren ,T’, ,R’ und das ,B’“, zählt Thorsten Kempermann an den Fingern seiner linken Hand ab. Die Regeln sind komplex: Doppelbuchstaben, erklärt er, gebe es kaum, zum Teil lassen Stenografen auch das „ Dehnungs-H“ aus. Seine Rechtschreibung habe sich durch das Erlernen der Stenografie verbessert: „Die Zeichensetzung fällt mir jetzt viel leichter, weil ich bewusster darauf achte.“

Anfangs dauere es etwas, bis alle Zeichen, Verbindungen und das Hoch- oder Tiefschreiben der Zeichen sitzen, „dann aber lernt man die Geschwindigkeit.“ Mittlerweile schafft Kempermann 145 Silben pro Minute, bei einem Seminar erreichte er sogar einmal 200 Silben.

Für Laien stellt das System mit verkürzten Zeichen nur Hieroglyphen dar. Doch genau dieser Charme des Abstrakten reizt den angehenden Steuerfachangestellten im zweiten Ausbildungsjahr. „Fremdsprachen zum Beispiel liegen mir eigentlich überhaupt nicht.“ Im Alltag nutzt er Steno, um sich während eines Telefongesprächs Notizen zu machen, auch in der Schule hatte er seinen Spaß, „schneller ins Heft schreiben zu können als die Lehrer an der Tafel.“

Gleichzeitig widmet Kempermann sich auch einem Hobby, das durch Diktiergeräte und Spracherkennungsprogramme vom Aussterben bedroht ist: Die Utensilien werden knapp. Blöcke oder Hefte mit fünffach-Linien, wie sie in Grundschulen zum Erlernen der Schreibschrift üblich waren, gibt es kaum noch im Handel.

Hobby stirbt aus

Neuerscheinungen zu dem Thema werden selten, Fachliteratur erscheint oft als aktualisierte Auflage. Der Kreis der Stenografen wird kleiner – das Kennenlernen untereinander bei den Turnieren fällt umso leichter.

Stenografen, die für Landesparlamente arbeiten, kenne Kempermann mehrere. Hin und wieder sieht er ihren Arbeitsplatz in Nachrichtensendungen, wenn über Parlamentssitzungen berichtet wird. Ab 2014 misst sich der FC Bayern München-Fan bei den bundesweiten Meisterschaften in einer neuen Kategorie – bei den Erwachsenen.

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