Lemwerder - Die reformfreudigen Zeiten machen es nicht immer einfach, die Stelle einer Schulleitung neu zu besetzen. Sowohl an der Lemwerderaner Oberschule als auch an der örtlichen Grundschule sind diese Posten derzeit vakant.
Umso erfreulicher ist es deshalb, dass mit Arne Warnken das Gymnasium Lemwerder wieder einen neuen Leiter hat. Neu an der Schule ist der 44-Jährige, der in die Fußstapfen der im Sommer in den Ruhestand gegangenen Marianne Weigel tritt, jedoch nicht. 2007 übernahm er den 8. und damals ältesten Jahrgang des noch ganz jungen Gymnasiums als Klassenlehrer und unterrichtete Sport, Politik oder Geschichte. Inzwischen ist das Gymnasium, dessen Aufbau er größtenteils miterlebte, mit knapp 300 Schülern und 25 Lehrkräften schon lange zweizügig.
Sicherlich gibt es manch entspannteren Job. Mindestens 50 Stunden pro Woche vor Ort bedeute die Arbeit des Schulleiters, ist seine Erfahrung nach den ersten Wochen im neuen Amt. Doch als Beschwerde sei das keinesfalls gemeint, betont Warnken. Worauf er sich mit seiner Bewerbung auf diesen Job einließ, wusste er schließlich ganz genau, versichert der Familienvater.
Besonders die überschaubare Größe der Schule mit all ihren persönlichen Kontakten und das tolle Kollegium, aber auch, dass es in diesem nie langweiligen Beruf kein Schema „F“ gibt, schätzt der gebürtige Bremer, der mit Leib und Seele bei der Sache ist.
Dabei wuchs der Wunsch, Lehrer zu werden, bei Arne Warnken erst spät(er). „Nicht den Einzelhandel meiner Eltern übernehmen zu wollen, war mir schon immer klar. In der 8. oder 9. Klasse schwebte mir etwas Handwerkliches vor – etwa Tischler oder Schreiner. Ab Jahrgang 10 bekam ich mein Ziel langsam klarer vor Augen. Aber erst nach Abitur und Zivildienst hatte ich genügend Lebenserfahrung, um mich wirklich beruflich festlegen zu können“, erzählt Warnken.
Durch Jobs, die stets einen beruflichen Bezug hatten, finanzierte sich der 44-Jährige sein Studium und startete vor 15 Jahren in seine zweijährige Referendariatszeit. Wie groß die Löcher im sozialen Netzwerk sind, durch die man als junger Familienvater dabei fallen kann, bekam er in dieser Zeit immer wieder zu spüren – bis er endlich seine erste feste Stelle in Papenburg (Emsland) fand.
Irgendwann nach einem Versetzungsantrag führte ihn das Schicksal mit Marianne Weigel am Delmenhorster Max-Planck-Gymnasium zusammen. Weigel holte ihn später nach Lemwerder.
Viel Arbeit macht dem neuen Schulleiter, der zuvor als Koordinator bereits eng mit der Schulleitung zusammengearbeitet hat, momentan die Rückführung vom G8 auf das G9, durch die sich die Inhalte in der Sekundarstufe verschoben haben. Nachdem Lionsquest oder Sozialtraining bereits als wichtige Hilfen zum Erwachsenwerden in den Lehrplan gehören, freut sich Warnken, dass nun auch das von Muttersprachlern begleitete, englischsprachige Theaterprojekt „InterAct“ implementiert werden konnte.
Als langfristiges Ziel hegt der Schulleiter jedoch den Wunsch, den Kontakt zu einer englischsprachigen Schule herzustellen, um einen regelmäßigen Austausch realisieren zu können. Außerdem möchte er Materialien für eine „bewegte Pause“ anschaffen, den Zukunftstag neu gestalten oder den Unterricht mit örtlichen Firmen vernetzen.
Auf das Unterrichten möchte er dabei auch künftig nicht verzichten – allerdings nur noch mit halber Stelle und in Geschichte und Sport.
