Rodenkirchen - Der Bedarf ist ungebrochen: Wieder hat die Oberschule Rodenkirchen 13 schulmüde Jugendliche in ihre Berufsstarterklasse 8 aufgenommen – 11 Jungen und 2 Mädchen. Sie kommen aus fast der ganzen Wesermarsch; erstmals sind sogar zwei Schüler aus Lemwerder dabei.
Streckenweise per Taxi
Neu ist in diesem Schuljahr auch, dass der Landkreis zum 1. Januar den Löwenanteil der Finanzierung übernimmt: 85 Prozent der Kosten, rund 50 000 Euro. Darin nicht enthalten sind die Kosten für den Schülertransport – streckenweise per Taxi. Bislang teilen sich Kreis und Arbeitsagentur die Kosten, ab Neujahr gibt die Agentur nur noch 11 Prozent, dazu kommen 4 Prozent vom Kultusministerium.
Der klamme Kreis hält die Investition für höchst sinnvoll, wie Matthias Bühnemann, der Leiter des Fachdienstes Schulen, betont. Denn dieses Angebot sei für die Schüler die letzte Chance, einen Hauptschulabschluss und damit Zugang zu einem guten Beruf zu bekommen. Ohne die Berufsstarterklassen müssten die Sozialkassen irgendwann für die jetzigen Schüler aufkommen.
Berufsstarterklassen gibt es in fast allen Landkreisen. Die Schüler sind nur an zwei Tagen der Woche in der Schule, die übrigen drei Tage verbringen sie in Praktikumsbetrieben mit dem Ziel, dort nach der neunten Klassen einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Bei knapp 70 Prozent aller Schüler klappt das auch, sagt Matthias Bühnemann; ohne die Berufsstarterklassen läge der Erfolg „bei null Prozent“.
Versicherer auch dabei
Die meisten Schüler bringen ihren Praktikumsplatz selbst mit, sagt der Berufsstartbegleiter Jörg Nass, der in Diensten des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) steht. Dabei dominiert das Handwerk, aber neuerdings ist auch eine Versicherungsagentur dabei. Jörg Nass freut sich, dass es keine Schwierigkeiten macht, Praktikumsbetriebe für die Schüler zu finden.
Das Praktikum tue den Schülern auch mental gut, ergänzt Nass: Sie lernten dort, mit Forderungen an sich umgehen zu können.
Schulleiter Jürgen Janssen stellt klar, dass die Schüler in den Berufsstarterklassen keine Schonbehandlung erwarten dürfen: Ihre Prüfung am Ende der neunten Klasse entspreche exakt der Abschlussprüfung, der sich alle Hauptschüler in Klasse 9 stellen müssten. Und noch etwas: Sollte sich ein Schüler nicht an die Regeln halten, müsse er das Projekt verlassen.
Eine große Bitte hat Jürgen Janssen an die Kreishandwerkerschaft: Sie solle doch ihre Mitgliedsbetriebe bei der Eingliederung und Betreuung der Praktikanten stärker unterstützen.
