Wiesbaden - Schwarzarbeit kann erheblichen Ärger bedeuten. Doch wo beginnt sie? Auf das Baby aufpassen, beim Hausbau helfen? Freunde unterstützen sich oft gegenseitig. Das ist nach Ansicht von Rechtsanwalt Reinhard Schütte aus Wiesbaden in der Regel auch unproblematisch. „Solange der Helfer dafür nur ein Trinkgeld bekommt, ist das in Ordnung“, sagt der Experte der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.
Aber: Helfe der Nachbar regelmäßig gegen Bezahlung, kann aus der Hilfe schnell Schwarzarbeit werden. „Und das kann teuer werden.“
Eine entscheidende Frage für die Abgrenzung zwischen freundlicher Hilfe und Schwarzarbeit: „Will ich Gewinn erzielen oder nicht?“, erläuterte Schütte. Unterstütze beispielsweise ein Nachbar oder Freund einen Bauherren beim Hausbau, sei es unproblematisch, wenn dieser dafür zum Grillabend eingeladen werde. „Bezahlt der Bauherr seine Helfer aber, kann das schnell Schwarzarbeit sein.“
Auch die Frage, wie oft die Hilfe in Anspruch genommen wird, spielt bei der Beurteilung eine Rolle. Wenn etwa die Erzieherin aus der Nachbarschaft regelmäßig auf die eigenen Kinder aufpasse, könne das Schwierigkeiten geben. Wenn das nur ab und zu passiere, sei es hingegen kein Problem. „Als Nachbarschaftshilfe gelten alle Tätigkeiten, die nicht nachhaltig und auf Gewinn ausgerichtet sind“, stellte Schütte klar.
Andernfalls kann die vermeintliche Hilfe ein unangenehmes Nachspiel haben: „Es müssten Steuern und Sozialabgaben nachgezahlt werden“, sagte Schütte. Zudem drohe ein Bußgeld, eventuell auch Strafanzeige wegen Erschleichens von Sozialhilfeleistungen. „Das gilt als Betrug.“ Wer solche Probleme vermeiden will, sollte Gefälligkeiten oder Hilfsarbeiten nicht üppig entlohnen oder aber Beschäftigung offiziell bei der Minijob-Zentrale anmelden. „Dann kann man die Kosten auch steuerlich geltend machen.“
Das Thema wird gerade heftig diskutiert. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stützt jüngste Studienergebnisse, wonach die Schwarzarbeit durch den geplanten Mindestlohn zunehmen wird. Es könne einen „Verdrängungswettbewerb“ in Gang setzen, wenn Kunden für bestimmte Dienstleistungen mehr Geld bezahlen sollten, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Vor allem in Branchen mit traditionell geringer Gewinnspanne würden wahrscheinlich die Preise steigen. Dies könne zur „Privatisierung“ von Arbeiten führen.
