AHLHORN - Wo ist Max? – „Das ist oft einer der ersten Sätze, den unsere irakischen Kinder sprechen“, erzählt Kristin Averbeck. Die 26-jährige ist als Sozialpädagogin an der Grundschule Ahlhorn tätig. Und sie hat einen tierischen Partner, der sie an zwei Tagen in der Woche zur Arbeit begleiten darf: Max ist ein Irish Red Setter-Mischling, vier Jahre alt, überaus gut erzogen – und seit einigen Monaten sozusagen Mitglied des Lehrkörpers an der Grundschule.

Als Fachbegriff heißt das, was Kristin Averbeck und ihr Hund Max in der Schule machen, „tiergestützte Pädagogik“. Die Begegnung mit dem Vierbeiner sei eine wichtige Erfahrung für die Kinder, sagt Kristin Averbeck.

Sie absolviert mit Max eine berufsbegleitende universitäre Ausbildung. 260 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis über 14 Monate umfasst die Ausbildung eines Therapiehundeteams zum professionell unterstützenden Einsatz in Pädagogik, Sozialarbeit, Therapie und Pflege.

Kristin Averbeck schrieb ein umfassendes Konzept und kümmerte sich um die Erfüllung aller amtlichen Vorgaben, wozu natürlich auch der Wesenstest gehört. Elternrat und Kollegium zeigten sich sehr aufgeschlossen und hatten nichts dagegen, dass Max zweimal in der Woche als vierbeiniger „Lehrer“ mitkommt. Am Vormittag für maximal 30 Minuten im Schulkindergarten, und am Nachmittag bei der nachschulischen Betreuung ist Max montags und mittwochs mit von der Partie.

Mucksmäuschenstill wird es im Raum des Schulkindergartens, wenn Max angekündigt wird. Zum festen Ritual für die Kinder gehört, dass sie vorher aufräumen und in ihrer Mitte einen Platz für Max herrichten und liebevoll dekorieren. In dieser Jahreszeit natürlich auch mit weihnachtlichen Dingen.

Kristin Averbeck hat mit den Kindern wichtige Regeln für den Umgang mit Hunden erarbeitet. Die Hände nicht hochreißen, den Hund nicht anstarren, zum Beispiel.

Max ist ein prima Motivator für die Kinder, weiß Kristin Averbeck. „Ganz unruhige Kinder sind plötzlich total konzentriert“, erzählt Erzieherin Regina Schneider. Max helfe bei der Förderung des Sozialverhaltens. Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. So muss dafür gesorgt werden, dass Max immer frisches Wasser im Napf hat. Es wird bestimmt, wer ihn bürsten oder vielleicht sogar gemeinsam in Begleitung von Kristin Averbeck mit ihm Gassigehen darf.

Mit Max gemeinsam werden auch schon mal „tierische“ Rechenaufgaben gelöst oder Konzentrationsübungen absolviert. Und Max wartet geduldig, bis das „Leckerli“ an der Schnur von Kind zu Kind weitergereicht wird, bis es der Letzte in der Kette ihm dann endlich geben darf. „Das fördert den Teamgeist“, sagt Kristin Averbeck. Viel zu schnell geht die halbe Stunde mit Max für die Kleinen aus dem Schulkindergarten zu Ende. Sie freuen sich schon auf die nächste Unterrichtsstunde mit ihrem vierbeinigen Freund. Dann heißt es wieder: Jetzt kommt Max!

Klaus Derke
Klaus Derke Redaktion Hude