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Bildung Starkes Statement in Zeiten der Inklusion

Ahlhorn - Seit fünf Jahren ist Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke im Amt, und doch ist es am Montagvormittag in Ahlhorn eine Premiere für ihn gewesen, wie er bekannte. Umso mehr war er bei der Janusz-Korczak-Schule von „Bethel im Norden“ angetan von den modernen Unterrichtsräumlichkeiten am östlichen Ahlhorner Ortseingang an der Straße Im Sandhofe 2. „Wir sind froh, dass sie in der Gemeinde ihr Zuhause haben“, sagte Schmidtke in einem kurzen Grußwort. Der Anlass war die Einweihungsfeier des neuen Gebäudes für den Grundschulbereich, verbunden mit einem Tag der offenen Tür mit buntem Programm.

74 Schüler

In den vergangenen Jahren ist an dem ehemaligen EWE-Standort, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine moderne Förderschule mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung mit derzeit 74 Schülern, 13 Lehrkräften und vier pädagogischen Mitarbeitern entstanden. Luise Turowski von der Geschäftsführung Bethel im Norden verwies auf den Leitgedanken der diakonischen Einrichtung: „Gemeinschaft verwirklichen“. Anspruch sei die Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens aller Menschen in ihrer Verschiedenheit. Es gelte, keine Menschen aus der Gemeinschaft auszuschließen, betonte sie.

Als die Janusz-Korczak-Schule in Vechta aus allen Nähten geplatzt sei, sei Bethel im Norden im Februar 2011 mit 21 Kindern in dem Ex-EWE-Gebäude in Ahlhorn gestartet. Auf die zunehmende Nachfrage habe man reagiert und sich 2017 für den Neubau entschieden, erzählte sie.

Ahlhorn ein teil des Schulverbunds Freistatt

Zum Schulverband Freistatt von Bethel im Norden gehören die Janusz-Korczak-Förderschulen in Freistatt, Wagenfeld, Vechta, Lohne, Verden, Achim und Ahlhorn. Die staatlich anerkannten Ersatzschulen begleiten rund 450 Schüler in den sonderpädagogischen Schwerpunkten soziale und emotionale Entwicklung (ES), Lernen (L) sowie geistige Entwicklung (GE, nur in Freistatt). Eine ausgewiesene Mädchen- (nur Freistatt) und Intensivbeschulung (Freistatt und Verden) sind weitere Schwerpunkte der Arbeit. Mit der Comenius-Schule gibt es darüber hinaus ein Angebot im Bereich der Berufsbildenden Schule, wie Heinz Thiemann, Bereichsleiter der Schulen, berichtete.

In Ahlhorn werden Schüler aus den Landkreisen Oldenburg und Cloppenburg sowie aus der Stadt Delmenhorst unterrichtet. Der Standort diene auch dazu, den Kindern weite Fahrtwege zur Schule zu ersparen, wie ausdrücklich betont wird. Zum Konzept gehören pädagogisches Reiten, Spiel- und Sportangebote, jeden Freitag ein festes Treffen in der Aula sowie erlebnispädagogische Fahrten für ältere Schüler.

Bethel im Norden ist 2007 durch den Zusammenschluss des Birkenhofes Hannover mit der Diakonie Freistatt bei Diepholz entstanden. Das Unternehmen gehört zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, einer Einrichtung der Diakonie. Bethel im Norden engagiert sich neben den Schulen auf vielen Feldern: Entlastung, Beratung, Pflege und Unterstützung in vielen Lebens- und Alterslagen.

Janusz Korczak (1878/79-1942) ist der Namensgeber der Schulen. Der polnisch-jüdische Kinderarzt widmete sein Leben den Waisenkindern. „Ohne eine heitere, echte Kindheit ist das ganze spätere Leben verkrüppelt“, so Korczak. Im August 1942 begleitete er freiwillig etwa 200 Waisenkinder in die Gaskammern des Vernichtungslager Treblinka in den Tod.

Michael Glugla (Leiter Einkauf Immobilien) berichtete, dass zunächst 2015 ein Garagengebäude umgebaut worden sei. Doch angesichts der weiter steigenden Schülerzahlen kam es im März 2017 zum Spatenstich für den Neubau mit vier weiteren Klassenräumen, zwei Differenzierungsräumen und einer kleinen Aula, der im Herbst 2017 fertig wurde. Dafür wurden rund 700 000 Euro investiert. Glugla lobte die Zusammenarbeit mit dem Cloppenburger Büro Hagen & Hagen sowie den Firmen aus der Region, die fast alle aus dem Oldenburger Münsterland kamen.

Insgesamt gibt es auf dem Grundstück von rund 6500 Quadratmetern für die 38 Grund- und 36 Sekundarstufe-1-Schüler jetzt zehn Klassenräume, zwei Differenzierungsräume, Büros und eine Aula. Hinzu kommt ein weitläufiges Außengelände mit vielen Angeboten. Schulleiter Adrian Hoppe betonte, dass man sich sehr wohl am Standort fühle. Er hob die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, örtlichen Einrichtungen sowie dem Landkreis als Kostenträger hervor. Er erwähnte auch die Nachbarschaft, die ebenfalls beim Tag der offenen Tür vorbeischaute. Die Förderschule bezeichnete Hoppe, seit Beginn der Schulleiter in Ahlhorn, als ergänzendes System, nicht als Konkurrenz zum staatlichen Angebot. Es gehe darum, denen, „den in einem großen System nicht geholfen werden konnte, hier zu helfen“. Das gelinge über kleine Gruppen, feste Bezugspersonen und einen festen Rahmen.

Dankbar für Schule

„Das ist ein Statement im Umfeld der Inklusion“, sagte Karl-Heinz Book von der Landesschulbehörde zu dem Neubau. Inklusion sei eine Haltung. „Sei willkommen in dieser Welt“, formulierte sie Book. Er sei dankbar, die Janusz-Korczak-Schule zu haben. Es gehe um die Grundelemente der Bildung und die Förderung der Talente der Kinder. „Die Kinder zu akzeptieren, wie sie sind, ohne zu akzeptieren, dass sie so bleiben. Sie sollen sich ja weiterentwickeln“, formulierte Book den Anspruch an die Schule.

Ulrich Suttka
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