AHLHORN - Seinen 80. Geburtstag feiert an diesem Montag in Ahlhorn Pastor i. R. Wilfried Ferchland. Von 1956 bis 1988 ist Ferchland Pfarrer der ev.-luth. Kirchengemeinde Ahlhorn gewesen. „Man erlebt erstaunlich viel Freude, wenn man mit Menschen zu tun hat“, sagt der Jubilar. Er wollte mit Menschen zu tun haben, dachte in jungen Jahren auch daran, Polizeipsychologe oder Jurist im Gewerkschaftsbereich zu werden. Es wurde dann die Theologie. Aus Überzeugung.

Wilfried Ferchland wurde am 3. August 1929 in Wilhelmshaven geboren. Nach dem Abitur 1949 war er ein knappes Jahr als freier Helfer in Bethel tätig. Er half vorwiegend bei der Pflege von Epileptikern. Es waren Monate, die ihn für sein weiteres Leben geprägt haben, sagt Ferchland.

Es folgten vier Semester an der kirchlichen Hochschule in Bethel, Er wechselte nach Münster, wo er 1955 seinen Abschluss machte. „Mein Studium habe ich mir zusammengehungert“, erinnert sich Ferchland an die nicht einfache Zeit. Das Geld war knapp. Die Eltern kratzten den letzten Groschen zusammen, um ihren Sohn zu unterstützen. „Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, so Ferchland.

Ferchland war nach dem Studium Vikar in Wilhelmshaven. Er machte in Osnabrück eine Zusatzausbildung für die Taubstummenfürsorge.

1956 wurde er Pastor in Ahlhorn. Gleichzeitig übernahm er den Wiederaufbau der Gehörlosenseelsorge in der Landeskirche.

Schon beim Studium in Münster hatte Wilfried Ferchland seine spätere Frau Ada-Maria kennen gelernt. Die beiden sind seit 1958 verheiratet. Sie haben vier Kinder und vier Enkel.

Die 32 Jahre als Pastor in Ahlhorn waren eine spannende Zeit. Viele Menschen waren auf dem Fliegerhorst beschäftigt. Die Amerikaner, die auf dem Platz stationiert waren, hatten keinen Militärseelsorger.

Wilfried Ferchland kümmerte sich um die kleine amerikanische Gemeinde. Er hielt einmal im Monat einen Gottesdienst in englischer Sprache.

Sehr engagiert kümmerte sich das Pastorenehepaar Ferchland um die Partnergemeinde Kosel in der ehemaligen DDR. Viele Aktivitäten in diesem Bereich liefen im Verborgenen.

Wilfried Ferchland begleitet einmal im Jahr die vierwöchigen Taubstummenkuren des Müttergenesungswerkes.

Kreisdiakonisches Werk, Landessynode oder Arbeitsgemeinschaft für Suchtfragen, die Leitung der Ahlhorner Guttemplergruppe, Kuratorium für das Soldatenheim – Ferchland war neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit vielfältig im Einsatz. Er war unter anderem auch lange Jahre Schriftführer des Ortsvereins Ahlhorn (später Bürgerverein). Viele Jahre war er Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses der Gemeinde Großenkneten.

Ferchland war Ansprechpartner für das erste selbstverwaltete Jugendzentrum in Ahlhorn. Bei der kirchlichen Jugendarbeit war ihm wichtig, dass die jungen Leute sich im sozialen Bereich umschauten. Jugendgruppen hatten Kontakte zur Taubstummenfürsorge und zur Gehörlosenschule oder auch zu den Diakonischen Werken Himmelsthür.

Wilfried Ferchland hat sein Leben immer mit viel Humor gemeistert, auch wenn es gesundheitlich mal bergab ging. „Vielleicht habe ich viele Probleme einfach weggelacht, bevor sie erwachsen wurden“, meint er. Es gebe Berufe, in denen es wirklich hilfreich sei, Humor zu haben. Wer Wilfried Ferchland kennt, weiß, dass es nur des richtigen Stichwortes bedarf, und schon hat er dazu einen Witz parat. „Die sitzen alle irgendwo in meinem Archiv“, sagt er verschmitzt.