AHLHORN - AHLHORN/KD - Wer die vom Kultusminister per Erlass vom Februar 2005 geforderte intensive Gewaltprävention an der Schule betreiben will, der muss genau hingucken, wo die Brennpunkte liegen. Es ist wichtig, die Schwachstellen zu erkennen, um wirksame Maßnahmen ergreifen zu können. Dabei hilft an der Graf-von-Zeppelin-Schule in Ahlhorn eine viel beachtete Untersuchung, die Sabine Windhaus, Klassenlehrerin der H5b, vorgenommen hat. Eine wahre „Fleißarbeit“, die sich über mehrere Monate hinzog.
„Diese Bestandsaufnahme ist eine tolle Grundlage für unser Präventionskonzept. Sie hilft uns, unsere Kräfte ganz gezielt einzusetzen“, so Rektorin Jutta Borchers. Laut Borchers sind die Schulen verpflichtet, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln, das durch gewaltpräventive Maßnahmen gestützt wird.
Rund 700 Schülerinnen und Schüler wurden mit Hilfe eines von Sabine Windhaus ausgearbeiteten Fragebogens anonym und sehr detailliert nach ihren Gewalterfahrungen und -beobachtungen an der Schule befragt. Obwohl die Fragebogenaktion freiwillig war, kamen knapp 500 ausgefüllte Fragebogen zurück. Gefragt wurde nach Gewalt durch Worte und Verhalten, nach körperlicher Gewalt, Diebstahl, Raub, Erpressung, Gewalt gegen Sachen. Aber auch das Lehrerverhalten gegenüber Schüler, das eigene Verhalten Lehrern gegenüber wurde abgefragt. Die Schüler hatten die Möglichkeit, genau zu unterscheiden, was aus der langen Liste der „Gewalt“ sie überhaupt als solche empfinden. Und sie konnten ankreuzen, welche Formen der Gewalt sie mehrmals täglich, einmal täglich, nicht jeden Tag oder nie in ihrer Klasse beobachten.
An welchen Orten die Schüler Gewalt beobachten, wurde ebenso gefragt wie auch nach der Schülermeinung, wie Gewalt an der Schule verhindert werden kann. Die Auswertung der Fragebogen war aufschlussreich. An erster Stelle liegt in der Gesamtauswertung die Gewalt durch Worte und Verhalten. Danach folgt die körperliche Gewalt. Nur selten wurden Raub und Erpressung als Gewaltbeobachtungen genannt. Bei der Frage, wo Schüler Gewalt beobachten, liegen große Pause, Flur und Klassenzimmer je nach Jahrgang vorn. Schul- und Nachhausewege sind nicht so stark betroffen. Was sind Auslöser von Gewaltanwendung? – Ganz weit oben liegt bei der Realschule als Antwort das Motiv „sich rächen“. Die Hauptschüler geben als Hauptmotiv „Grenzen austesten“ an. „Das bedeutet für uns als Lehrer, dass wir deutliche Grenzen setzen“, meint Sabine Windhaus. Sie hat in ihrer Klasse damit gute Erfahrungen gemacht. Der respektvolle Umgang miteinander wird zum Beispiel regelrecht trainiert. Mit großem Erfolg.
