Oldenburg - Wer befürchtet hatte, der neue Schulentwicklungsplan könne zur Schließung kleiner Schulstandorte führen, kann beruhigt sein. Gravierende Änderungen in der Schullandschaft sind im Primarbereich nicht zu erwarten. Das geht aus der Präsentation von Ergebnissen für die Grundschulen hervor. Schulentwicklungsforscher Dr. Heinfried Habeck stellte sie am Donnerstagabend vor rund 60 Zuhörern in der Mensa des Herbartgymnasiums vor. Der Bildungsexperte vom Institut für Schulentwicklung (IFS) der Technischen Universität Dortmund ist von der Stadt mit der Erstellung des Schulentwicklungsplanes beauftragt worden.
Auf die Frage, ob (zu) kleine Schulen geschlossen oder zumindest zusammengelegt werden sollten, habe die mit Schülern, Lehrkräften, Schulleitungen sowie Vertretern der Verwaltung besetzte „AG Schulstruktur“ eine klare Antwort gefunden, so Habeck: Alle Standorte sind in ihrem Bestand zu sichern. Zu den einzügigen (und damit potenziell gefährdeten) Einrichtungen zählen die Grundschulen Etzhorn, Heiligengeisttor, Hogenkamp, Röwekamp und Wechloy. Zur Begründung für den Erhalt wird darauf verwiesen, dass die Schulen als Mittelpunkt des Wohnumfeldes Teil der Identität des Stadtteils sind und es keine anderen Schulen in der Nähe gibt.
Die „AG Schulstruktur“ empfiehlt darüber hinaus, die Zügigkeit für alle Schulen per Beschluss festzulegen. „Das schafft Verlässlichkeit für die Eltern und die Stadt“, betonte Habeck. Außerdem könne so unnötige Bautätigkeit in Schulen vermieden werden.
Habeck hat für jeden Schulbezirk aus der Gegenüberstellung der Zahlen der schulpflichtigen und der tatsächlich eingeschulten Kinder eine Einschulungsquote ermittelt. Über ihren eigentlichen Einzugsbereich hinaus nehmen die Grundschulen Krusenbusch (Quote 1,29), Nadorst (1,27), Etzhorn (1,26) und Haarentor (1,14) Kinder auf. Unterdurchschnittliche Einschulungsquoten haben die Grundschulen Bürgeresch (0,66), Bümmerstede und Kreyenbrück (beide 0,68), Hogenkamp (0,75), Babenend (0,77), Bloherfelde (0,8) und Ofenerdiek (0,82). Das heißt, aus ihrem Bereich wandern Kinder ab. Als Begründungen dafür hat die „AG Schulstruktur“ unter anderem das Fehlen eines Ganztagsangebotes, Probleme mit dem „Ruf“ der Schule und des Wohnumfeldes, sowie einen hohen Migrationsanteil aufgelistet. Die Arbeitsgruppe plädiert dafür, Schulbezirke nicht aufzuheben. Eine Aufhebung würde einer massiven Separierung Vorschub leisten. „Das würde bestimmte Schulen und Stadtteile weiter deutlich schwächen“, warnte Habeck.
Nach der Vorstellung hatten die Zuhörer Gelegenheit, ihre Meinung auf Kärtchen festzuhalten und abzugeben. „Wir haben viele Rückmeldungen bekommen“, bestätigte Schulamtsleiter Matthias Welp. Einige Stellungnahmen bezogen sich auch auf die aktuell diskutierten Änderungen im Bereich der Ganztagsbildung.
Mit den von Heinfried Habeck präsentierten Ergebnissen soll nun weitergearbeitet werden. Als nächstes nimmt sich der Experte den Sekundarbereich I vor. Bestandsaufnahmen, Berechnungen und Workshops hat es bereits gegeben. Der fertige Schulentwicklungsplan soll im November dieses Jahres vorliegen.
