Barßel/Elisabethfehn/Harkebrügge - Simon Theilmann steht an der Tafel. Vor ihm sitzen gespannt die Mädchen und Jungen der zweiten Klasse. Der 32-jährige Lehrer fühlt sich sichtlich wohl in der Grundschule Elisabethfehn- West. Seit Anfang 2013 unterrichtet er dort als Klassenlehrer die Grundschüler. „Es macht mir Spaß mit Kindern zu arbeiten“, erzählt der Pädagoge. Er habe Freude an seiner Arbeit. Simon Theilmann ist derzeit die einzige männliche Lehrkraft im Kollegium. Landesweit sieht es ähnlich aus.

Nach Angaben des Kultusministeriums ist der Männeranteil in den Kollegien der Grundschulen in den vergangenen 25 Jahren von 18,2 Prozent auf knapp 12 Prozent zum Stichtag 22. September 2014 gesunken (die NWZ  berichtete). Der Landesdurchschnitt weiblicher Grundschullehrkräfte lag im vergangenen Jahr bei 88,23 Prozent.

„Ich bin froh, dass wir immerhin eine männliche Lehrkraft haben“, sagt Schulleiterin Inge Fröhlich-Duen im Gespräch mit der NWZ . Zugleich kritisiert sie die nach ihrer Meinung in der Öffentlichkeit einseitig geführte Diskussion in puncto Männermangel. Hier sei ein anderer Ansatz erforderlich, meint die Schulleiterin. Generell werde die Arbeit in Kindertagesstätten und Grundschulen zu wenig wertgeschätzt, sagt die Schulleiterin. Einen möglichen Grund, warum so wenig Männer Grundschullehrer werden, sieht sie in den geringen Aufstiegsmöglichkeiten.

Ähnlich sieht die Situation an der Grundschule Sonnentau in Elisabethfehn-Süd aus. Auch dort unterrichtet lediglich ein männlicher Lehrer. Sie finde es wichtig, dass Mädchen und Jungen auch männliche Ansprechpartner haben, meint die kommissarische Schulleiterin Sigrid Lockstädt-Güttler. „Es fehlt einfach eine Bezugsperson. Männliche Kollegen gehen an bestimmte Themen anders heran als Frauen“, sagt die Schulleiterin. Sie vermutet die Bezahlung als möglichen Grund, warum Männer sich gegen den Grundschulbereich entscheiden. Sigrid Lockstädt-Güttler wünscht sich mehr männliche Lehrer an ihrer Schule. „Die Mischung macht es“, sagt sie.

An der Marienschule Barßel sind derzeit ein männlicher Klassenlehrer und ein männlicher Förderlehrer im Einsatz. Viele Kinder würden heutzutage allein von Müttern großgezogen, meint Schulleiterin Barbara Moormann. Im Kindergarten und in der Grundschule treffen sie dann ebenfalls oft nur auf Frauen. Umso wichtiger für die Entwicklung sei daher der männliche Bezug, sagt die Schulleiterin. Geringe Aufstiegschancen und weniger Gehalt als bei anderen Schulformen fasst sie als mögliche Ursachen für den Männermangel an Grundschulen zusammen.

Das sieht auch Melanie Burchert, Leiterin der Junker-Harke-Grundschule Harkebrügge, ähnlich. Das Kollegium ist derzeit ausschließlich weiblich. Seit mehreren Jahren unterrichte an ihrer Schule kein männlicher Lehrer mehr, bedauert die Harkebrügger Schulleiterin.