Friesoythe - In einem sind sich alle drei einig, egal ob Berufs-Neuling oder Klassenzimmer-Veteran: Lehrer zu sein ist der schönste Beruf, den sie sich vorstellen können. Zum Welt-Tag der Lehrer hat sich die NWZ bei drei Pädagogen im Raum Friesoythe umgehört und erfahren, was sie bewegt und welchen Herausforderungen sie sich jeden Tag stellen müssen.
„Können wir nochmal?“
Caroline Redmann ist seit Februar als Referendarin an der Elisabethschule in Frie-soythe tätig. Die 25-Jährige genießt die abwechslungsreiche Arbeit: „Im Alltag wird man ständig vor neue Situationen und nicht geplante Gegebenheiten gestellt. Sich an diese rasch anzupassen, ist eine tägliche Herausforderung.“ Die Mühen seien es wert, meint sie. „Es sind oft kleine Augenblicke, ein ehrliches Lächeln, das Vertragen nach einem Streit oder das nette Gespräch auf dem Pausenhof“, bei denen sie das Gefühl bekomme, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Und wenn wie neulich ein Schüler sagt „Bitte noch nicht. Können wir nochmal?“, als sie die Stunde beenden will, gehe ihr das Herz auf.
Clemens Kellermann, so will man meinen, müsste schon alle Höhen und Tiefen erlebt haben. Seit 40 Jahren ist er Lehrer, seit 1980 an der Realschule Friesoythe tätig. Eine „Schwangerschaft“ hat er noch vor sich, neun Monate, dann geht er in Rente. Und trotz all der Erfahrung hat er immer wieder Momente, in denen er sich sagt: „Das habe ich auch noch nicht erlebt.“ Das sei ganz normal in einem Beruf, in dem der Umgang mit Menschen im Vordergrund stehe.
„Ein Lehrer sollte gute Nerven haben“, weiß Kellermann, den die Schüler seiner Aussage zufolge als streng bezeichnen. Disziplin ist ihm wichtig, diese Tugend möchte er den Kindern vorleben: „Ehrlichkeit, Ruhe, Beharrlichkeit – das ist mein Erfolgsrezept“, sagt der 64-Jährige. Die Bedürfnisse der Schüler dürfe man nicht aus den Augen verlieren, trotz des ständigen Drucks, den Lernstoff durchzubekommen. „Leider bleibt im Schulalltag wenig Freiraum, sowohl für Schüler als auch für Lehrkräfte. Auch als Lehrer bin ich kein großer Freund von zu vielen Prüfungen und Kontrollen.“ Diese hätten in den Jahren seiner Berufstätigkeit stark zugenommen.
Struktur ist wichtig
Geschichts- und Wirtschaftslehrer Sascha Oellerich von der Heinrich-von-Oytha-Schule in Altenoythe hat 2012 an der Oberschule angefangen und hält diese neue Schulform für sinnvoll, kennt aber auch die Herausforderungen: „Gerade an der Oberschule versucht man, jedem Kind gerecht zu werden, egal ob mehr oder weniger leistungsstark. Schließlich möchte ich jeden Schüler sinnvoll beschäftigen. Da ist es wichtig, den Unterricht gut zu strukturieren“, erklärt der 32-Jährige.
Unterrichtsvorbereitung, Elterngespräche und Konferenzen kosten Zeit. Um halb zwei hat man eigentlich nie wirklich Feierabend. „Aber wenn ich dann wieder eine Klasse erfolgreich zum Abschluss geführt habe und die Dankbarkeit zu spüren bekomme, ist es eine wunderbare Bestätigung meiner Arbeit.“
