Ganderkesee - Wer zur Toilette wollte, musste über den Schulhof zum Plumpsklo, geturnt wurde auf Sägespänen und bei Verstößen gegen die Schulordnung gab's mit dem Lineal auf die Hände. Oder mit dem Rohrstock. Mehr als 50 Jahre ist das her, eine andere Zeit, und in der Rückschau war’s auch gar nicht so schlimm. „Man hat’s ja überstanden“, sinniert Horst Scherschanski, „und aus allen ist was geworden.“
Was aus den Kindern geworden ist, die 1957 an der so genannten Steinschule in Ganderkesee eingeschult wurden und neun Jahre später an der damaligen Volksschule Lange Straße ihre Abschlusszeugnisse erhielten, das berichteten sie einander – mittlerweile als Mittsechziger – am Sonnabend wieder einmal beim Klassentreffen im Oldenburger Hof. Seit einem Vierteljahrhundert kommen sie alle fünf Jahre zusammen, die meisten sehen sich auch sonst regelmäßig, weil sie in der Gegend geblieben sind – und trotzdem: „Jedes Mal erkennt man nicht alle auf Anhieb“, wundert sich Harald Segelhorst, der das Treffen gemeinsam mit Horst Scherschanski vorbereitet hat.
Und leider sind auch nicht mehr alle dabei. Seit dem letzten Klassentreffen sind vier einstige Mitschüler verstorben. Beim ersten Wiedersehen 1991 waren von einst über 100 Klassenkameraden noch 90 gekommen – am Sonnabend sind es 53. Aus gesundheitlichen Gründen mussten leider auch die einstigen Klassenlehrer Thea Siedenburg und Harry Gastler absagen.
Nur ein Jahr verbrachten die Abc-Schützen von 1957 in der Steinschule, als Zweitklässler mussten sie an die Lange Straße umziehen. Verstärkung bekamen sie später von der katholischen Grundschule am Habbrügger Weg und in der neunten Klasse noch aus Hengsterholz, Falkenburg, Bergedorf, Bookhorn und Holzkamp – in den Bauerschaften waren seinerzeit die Dorfschulen aufgelöst worden. So wurde es 1966 ein richtig starker Abschluss-Jahrgang mit drei Klassen.
Trotz der vielen Veränderungen sei der Zusammenhalt immer groß gewesen, berichten Scherschanski und Segelhorst. Das ist bis jetzt so geblieben: Beim Klassentreffen kommen alle sofort miteinander ins Gespräch, vergnügt werden viele Erinnerungen ausgetauscht – zum Beispiel an das sonnabendliche Pflicht-Duschen in der Schule. „Nicht jeder hatte ja damals zu Hause eine Badewanne“, erklärt Harald Segelhorst.
Bis zum nächsten Wiedersehen werden übrigens keine fünf Jahre vergehen: Im Oktober kommen die einstigen Klassenkameraden erneut zusammen – zur Goldenen Konfirmation.
