ALTENESCH - „Wo hast du denn diese Hose her?“ oder „Diese Jacke hätte ich auch gerne!“ – solche und ähnliche Kommentare bekamen die Töchter von Hedwig Woker als Kinder häufig von Freunden und Mitschülern zu hören. Statt Kleidung von der Stange trugen die drei Mädchen von Kopf bis Fuß höchst individuelle Garderobe, die ihre Mutter selbst genäht hatte.

„Ich hatte Zeit und wollte mich kreativ betätigen“, beschreibt Hedwig Woker die Anfänge ihres Hobbys. „Und Geld gespart hat es auch noch.“ Immer mehr Freundinnen fragten nach Tricks und Kniffen, um die Kleidung für ihre Kinder selbst anzufertigen. Aus den anfangs privaten Nähstunden wurden Volkshochschulkurse, aus der Kinderkleidung schließlich die komplette Garderobe für die Mütter.

Die Töchter sind heute 38, 36 und 26 Jahre alt. Die Leidenschaft der Mutter haben die beiden älteren geerbt – eine Tochter habe in ihrer ersten Ausbildung sogar eine Schneiderlehre gemacht, erzählt Hedwig Woker.

Es gibt kaum ein Kleidungsstück, dass die Hobby-Schneidern in mehr als 30 Jahren nicht selbst genäht hat – und das mitunter innerhalb kürzester Zeit: „Eine einfache Schlaghose habe ich während eines Fußballspiels geschafft“, erzählt sie lachend. Einen Nähkurs hat die 63-Jährige selbst nie belegt. Bei ihren Arbeiten orientiert sie sich an Schnittmustern aus Modezeitschriften.

Inzwischen laufen die Kurse über das Katholische Bildungswerk und finden heute im Gemeindehaus der katholischen Kirche in Lemwerder statt, wo Hedwig Woker bis zum Herbst vorigen Jahres auch als Pfarrsekretärin tätig war. Zwei Gruppen sind es derzeit, die sie betreut. Viele der Teilnehmerinnen sind schon seit vielen Jahren dabei. „Die Frauen bräuchten eigentlich keine Hilfe mehr“, erzählt Hedwig Woker. „aber sie schätzen die Geselligkeit.“ Mindestanforderungen für die Teilnahme gibt es nicht. Jeder näht, was er möchte und erhält dabei Unterstützung von der Kursleiterin.

Seit ihrem Schritt in den Ruhestand hat Hedwig Woker wieder mehr Zeit, sich um ihre eigenen Näharbeiten zu kümmern. Besonders viel Spaß hat sie an Patchwork-Decken – aber das mache süchtig und benötige deshalb viel Zeit, sagt die 63-Jährige schmunzelnd. Und Zeit braucht Hedwig Woker nicht nur zum Nähen, sondern auch für Haus und Hof in Altenesch. Letzteren teilt sich die begeisterte Reiterin mit einem Hund, einem Kater und zwei Pferden.

In der kommenden Woche beginnen am Dienstagvormittag und Mittwochabend neue Kurse. Im Abendkurs sind noch Plätze frei. Anmeldungen bei Hedwig Woker unter 0421/67 00 96.