ALTENOYTHE/FRIESOYTHE - Wenn der mit Spannung erwartete Film Operation Walküre an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft, werden sich Millionen ältere Menschen an das Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 erinnern. Doch auch junge Menschen werden sich den Film anschauen, die oft nicht so viel darüber wissen, glaubt Jessica Gabriel, Schülerin einer 10. Klasse der Heinrich-von-Oytha-Hauptschule in Altenoythe.
Der Nationalsozialismus und der deutsche Widerstand sind fester Bestandteil des Lehrplans der neunten Klasse, sagt die Politik- und Geschichtslehrerin Ursula Olschewski. Vor dem Hintergrund, dass es in jedem totalitären System auch Widerstand gibt, würde sich die Pädagogin wünschen, das Thema künftig ausführlicher behandeln zu können. Gerade bei unserer Vergangenheit ist es wichtig, dass wir unsere Schüler mündig machen und mit demokratischen Mitteln dazu befähigen zu erkennen, wann es sich um ein totalitäres System handelt, so die 58-Jährige.
Bauern im Kreuzkampf
In Friesoythe gab es nie einen offenen Widerstand, eher ein knurrendes Stillschweigen, berichtet der Altenoyther Pfarrer Leo Simon. Doch am berühmten Münsterländer Kreuzkampf, der seine stärkste Ausprägung in Cloppenburg und Vechta fand, beteiligten sich auch Lehrer und Bauern aus dem Cloppenburger Nordkreis. 1936 etwa zogen erzürnte Böseler Bauern mit Mistgabeln bewaffnet zu einer zentralen Kundgebung nach Cloppenburg, um gegen die Anordnung des Gauleiters Carl Röwe zu protestieren, die Kreuze aus den Schulen zu entfernen. Mit Erfolg, der Erlass wurde zurückgenommen.
Im folgenden Jahr kam der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen nach Friesoythe, wo er, wie zuvor in Münster, gegen die Euthanasiepraktiken des NS-Regimes predigte und das Recht auf den Religionsunterricht einforderte. Mit seinen kritischen Predigten versammelte der Bischof große Teile der Bevölkerung des Oldenburger Münsterlandes hinter sich. 1946 wurde er für seinen Einsatz zum Kardinal erhoben.
Unterricht im Anbau
Auch in Thüle organisierte sich zwar kein offener Widerstand, aber nachdem der Religionsunterricht verboten worden war, entschieden sich der Volksschullehrer Kate und der Thüler Priester Wehage dazu, die Kinder in einem Anbau am Pfarrhaus zu unterrichten, erzählt die 98-jährige Hedwig Südbeck. Die 88-jährige Wilhelmine Roter erinnert sich, dass es in Thüle nur einen echten Nationalsozialisten gegeben hat. Dieser habe als Tierpfleger auf dem Hof ihres Vaters gearbeitet und sich den Thülern gegenüber neutral verhalten.
