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Pädagogik Am „Sitzenbleiben“ scheiden sich die Geister

Wildeshausen - Mit ihrer Ankündigung, das Sitzenbleiben und die Schullaufbahnempfehlung abzuschaffen, sorgt die neue niedersächsische Landesregierung auch in Wildeshausen für Gesprächsstoff.

„Schockartiges Thema“

„Das Thema ist ja nahezu schockartig über uns hereingebrochen“, konstatiert Hauptschulrektorin Dorit Hielscher. Theoretisch könnten jetzt ja alle Eltern ihre Kinder beim Gymnasium anmelden und dort würden sie dann bis zur Klasse zwölf durchmarschieren. „Das muss man vornherein ändern und einen Kompromiss finden“, meint die Pädagogin. Längst nicht immer sei das Wiederholen einer Klasse sinnvoll, aber einigen Schülern täte es schon gut, Defizite aufzuarbeiten. Auf keinen Fall dürfe das Sitzenbleiben ein Druckmittel sein. Mit Hänseleien müssten „Sitzenbleiber“ in der Regel nicht rechnen. „Sie fügen sich meist schnell in die neue Klasse ein“, so Hielscher.

Von einem „schwierigen Thema“ spricht Realschulleiter Jan Pössel. Leider fehlten den Schulen Personal und Mittel, um Schüler stärker individuell zu fördern. Zudem meint Pössel: „Für eine Reihe von Schülern ist es gut, wenn ein Stopp-Schild kommt.“ Ihnen würde Gelegenheit zu einem Neustart gegeben. Sollte das Sitzenbleiben abgeschafft werden, hätte das „weit reichende Konsequenzen“ für die Schullandschaft.

Auf „Konsensgespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern“ setzt Stefan Bredehöft vom Kreiselternrat. Dabei solle gemeinsam entschieden werden, ob eine Kompetenzstufe erreicht worden sei und die nächste Stufe angepeilt werden könne. Dazu sei aber auch ein anderes modifiziertes Beurteilungssystem und letztlich auch ein anderes, nicht länger gegliedertes Schulsystem vonnöten. „Jetzt ist der Kontakt zwischen Eltern und Lehrern meistens negativ motiviert. Das müssen wir durchbrechen und zu einem besseren Informationsfluss kommen“, appelliert Bredehöft an alle Beteiligten.

„Grundsätzlich gegen das Sitzenbleiben“ ist Berthold Seidel, Leiter der Privatschule Gut Spascher Sand. „Das ist nicht effektiv und stigmatisierend“, meint er. Wenn die Kinder in neue Klassen kämen, würden sie zu Außenseitern und somit bestraft. Für öffentliche Schulen bedeutet die geplante Neuerung nach Seidels Einschätzung eine „Riesen-Herausforderung“. Die dortigen Klassen seien zu groß, um die Schüler ausreichend zu fördern. „In unserer Schule haben wir bessere Möglichkeiten“, meint der Leiter der Privatschule, die auf die Montessori-Pädagogik setzt.

„Fatale Entscheidung“

Ralf Schirakowski, Leiter des Wildeshauser Gymnasiums, kritisiert, dass es mit den derzeitigen Mitteln nicht möglich sei, Kinder mit Defiziten stärker zu fördern. Hingegen „haben wir viele Beispiele, in denen das Wiederholen von Jahrgängen die Lernmotivation gesteigert hat“, sagt Schirakowski.

Ähnlich sieht Roswitha Remmert, Leiterin der Grundschule Wallschule, das Thema: „Wenn Kinder nicht mehr runtergestuft werden können, wäre das eine fatale Entscheidung.“ Das bisherige System funktioniere gut. Man könne „Kinder nicht ausbluten lassen, wenn sie das Niveau der Klasse nicht halten können.“ Gerade Migrantenkinder beherrschten die Sprache anfangs nicht so gut. Sie müssten zurückgestuft und individuell gefördert werden.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Christoph Tapke-Jost
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