Ammerland - Wenn jemand die Telefonnummer 0800/ 2 62 22 26 anwählt, dann kann er sicher sein, dass er ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte findet. Denn rund 20 Ehrenamtliche sind Ansprechpartner beim Ammerländer Krisentelefon, das täglich von 18 bis 22 Uhr besetzt ist. Das Angebot wurde 2001 ins Leben gerufen, zunächst als Projekt „Telefon gegen Gewalt“, dann als Sorgen- und Krisentelefon.

Das Krisentelefon Ammerland

Das Projekt des Landkreises ging vor 18 Jahren an den Start. Heute finden Ratsuchende täglich von 14 bis 22 Uhr unter t   0800/ 2622226 ein offenes Ohr.

Die 20 Ehrenamtlichen arbeiten in vierstündigen Schichten und nehmen die Gespräche zu Hause entgegen. Helfer und Anrufer bleiben anonym. Was erzählt wird, ist vertraulich.

Die Themen sind vielseitig. So kann es um Probleme in der Familie, bei Trauer, Sucht, Krankheit oder auch Alltagssorgen gehen. Häufig handelt es sich um Entlastungsgespräche, aber auch um Reflexionsgespräche und Einsamkeit. 2018 hat das ehrenamtliche Team 517 Anrufe entgegengenommen, 201 von Männern, 316 von Frauen, von denen die meisten über 40 Jahre alt waren. Im Schnitt dauerten die Telefonate zwischen 20 und 38 Minuten. Bei 317 Telefonaten handelte es sich um Daueranrufer.

Neue Helfer sind willkommen. Sie werden in Gesprächsführung geschult und erhalten von der Beratungsstelle regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen. Bei monatlichen Treffen tauschen sich die Helfer aus. Voraussetzung ist die persönliche Eignung – vor allem Einfühlungsvermögen zählt. Näheres unter t  0 44 88/56-59 00.

Vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit sind die freiwilligen Helfer gefragt. Was gesprochen wird, ist vertraulich. Beide Seiten, Anrufer und Ehrenamtliche, bleiben anonym. „Das Wichtigste ist, zuhören können“, sagt eine Helferin, die schon von Anfang an dabei ist. Beim Gespräch müsse Vertrauen aufgebaut werden. Dann falle es den Betroffenen leichter, sich ihre Probleme von der Seele zu reden. Allerdings hat sie in all den Jahren auch einen Trend bemerkt: „Früher waren es eher Alltagssorgen, heute spielen häufig psychische Probleme eine Rolle“, sagt die 60-Jährige. So wachse auch die Zahl der Daueranrufer. Vielfach seien es Entlastungsgespräche von Menschen, die wenig Außenkontakte haben.

Das kann auch ihr 72-jähriger Mitstreiter bestätigen. Er ist einer von vier Männern im Team. An manchen Tagen sei er fast durchgängig beschäftigt. Warum er dieses besondere Ehrenamt macht? „Es kommt auch etwas zurück – ein herzliches Dankeschön“, sagt er. Und genau das bewegt auch seine Kollegin, sich seit 20 Jahren immer wieder in die Situation von Hilfesuchenden hineinzufühlen.

Empathie sei daher die wichtigste Eigenschaft, die jemand mitbringen müsse, um im Team mitzuarbeiten, erklären Diplom-Psychologe und Familientherapeut Werner Folkers sowie Diplom-Pädagogin und Familientherapeutin Monika Rieck von der Beratungsstelle des Landkreises Ammerland. Sie sind Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen, kümmern sich um Ausbildung und Supervision. Denn alleingelassen werden die Ehrenamtlichen bei ihrer manchmal schwierigen Aufgabe nicht.

Und daher schätzen die freiwilligen Helfer auch die monatlichen Gruppentreffen als gute Gelegenheit, sich mit den anderen Ehrenamtlichen auszutauschen.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede