Jever - Das Gymnasium ist in Niedersachsen nach wie vor die Schulform erster Wahl: Das berichtete der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Dürr beim Besuch im Mariengymnasium. Gemeinsam mit FDP-Kreisvorsitzendem Gerhard Ratzel, Stadtratsmitglied Arnulf Hartl und Lübbo Meppen vom Landesvorstand ließ er sich von Schulleiter Frank Timmermann und dessen Stellvertreter Dr. Martin Lichte durchs Gymnasium führen.
Dass auch im Jeverland der Ansturm aufs Gymnasium ungebrochen sei, bestätigte Timmermann anhand von Zahlen: In den vergangenen beiden Jahren hatte die Schule stets damit gerechnet, dass der fünfte Jahrgang vierzügig wird – jedes Mal wurden es fünf 5. Klassen. Auch für das kommende Schuljahr erwartet die Schulleitung Fünfzügigkeit.
Dennoch sind Schulleitung und FDP in Sorge um die Zukunft der Schulform Gymnasium: „Das Land macht es den Gymnasien schwer“, so Dürr. Denn das Land statte die Gymnasien nur sehr mager mit Lehrerstellen aus: „Lehrer, die jetzt in Ruhestand gehen, werden nicht unbedingt ersetzt.“
Ein Grund sei der demografische Wandel, ein weiterer die Stunde Mehrarbeit für Gymnasiallehrer: Dadurch nehme der statistische Bedarf an Lehrerstellen ab. Ein dritter Grund sei die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren (G9): Damit einher geht, dass die Unterrichtsverpflichtung in der Sekundarstufe 1 zurückgehe. „Doch wenn in sechs Jahren dann plötzlich die 13. Jahrgänge zum Abitur gehen, muss das Land auf einen Schlag ganze Jahrgänge mit Lehrern versorgen – sinnvoller wäre, die aktuellen Lehrerstellen und -Stunden an den Gymnasien zu halten“, betonte Dürr.
Auch Timmermann wies darauf hin, dass eine statistische Lehrerversorgung von 100 Prozent nicht ausreiche: „Mit 100 Prozent kann man nicht 100 Prozent abdecken“, meinte er mit Blick auf kurzfristige Ausfälle, die es immer aufzufangen gelte. Und noch etwas: „Die Stunde Mehrarbeit frustriert die Lehrer und nimmt ihnen Motivation.“
Dabei habe das Mariengymnasium ohnehin schon weniger Lehrerstunden als vom Land versprochen: Bei der Förderung von fünf Kindern mit Behinderung erhält die Schule nur 80 Prozent der zugesicherten Förderstunden durch Spezialisten. Der Grund: Förderlehrer fehlen. Ganz zu schweigen von den fünf Stunden zusätzlich pro behindertem Kind für pädagogische Mitarbeiter: „Das hatte das Land versprochen, heute heißt es, das sei nur eine Absichtserklärung gewesen“, bemängelt Dr. Martin Lichte.
Und noch etwas fehlt der Schule: Sozialpädagogen. „Das ist ein Problem, das das Land dringend lösen muss – doch es scheitert noch an den Zuständigkeiten“, weiß Gerhard Ratzel. Er freut sich mit der Schulleitung, dass der Landkreis ein 5-Millionen-Euro-Sanierungsprogramm fürs Mariengymnasium auflegt: „Das ist eine Investition für unsere Schüler“, betonte Frank Timmermann.
