ATENS - In vielen anderen öffentlichen Gebäuden hätte sich Flutra Janßen vermutlich einen Rüffel des Hausmeisters eingehandelt. Gemeinsam mit einem halben Dutzend weiterer Inline-Skater saust die 15-Jährige völlig unbehelligt durch die Gänge der Schule am Siel. Und selbst eine Lehrerin ist mit von der Partie. Weil es an diesem Dienstagvormittag Hunde und Katzen regnet, hat Antje Gabauer auf eine Tour unter freiem Himmel verzichtet und übt mit ihren Schützlingen einige Tricks im Gebäude. In diesen Tagen ist vieles anders in der Schule an der Fröbelstraße. Am Montag hat für die 191 Schüler die Projektwoche begonnen. Und weil die unter dem Motto „Schule in Bewegung“ steht, ist ausnahmsweise auch das Inline-Skaten in den Gängen erlaubt. Es ist eines von zahlreichen Projekten.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Moritz Gieseke hat Antje Gabauer die Projektwoche vorbereitet. Beteiligt sind die Kinder und Jugendlichen aus beiden Schulzweigen, dem Schwerpunkt Lernen und dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. In gemeinsamen Projekten bringen sie sich selbst in Bewegung oder bewegen etwas für die Schule.

In der Gruppe von Eva-Maria Meyer übt die Schulband für ein neues Programm, das sie beim großen Schulfest am kommenden Sonnabend spielen will. Neben zwei eigenen Stücken hat sie Lieder von Peter Fox und Green Day im Repertoire. Im Werkraum riecht es nach Sägespänen. Denn hier wird eifrig gesägt. Sie Schüler basteln Mühlen mit Solarantrieb.

Kunst aus Müll

In einem Klassenraum im Obergeschoss werden die Besucher von obskuren Gestalten empfangen, zusammengebastelt aus alten Computern, Radios, Fahrradreifen und Hüten. Kunst aus Müll, den Schüler und Lehrer zusammengetragen haben. Lehrer Franz Kiessler hat eine Gruppe von Schülern um sich geschart, die sich auf den Mofa-Führerschein vorbereiten. Darüber hinaus gibt es Tanz- und Gartenprojekte und viele weitere Angebote zum künstlerischen Gestalten. Die Kinder und Jugendlichen genießen die Abwechslung vom Schulalltag und bringen sich mit Begeisterung ein.

Und natürlich fiebern alle dem großen Schulfest entgegen, das so ganz anders ist als alles, was die Schule Am Siel bisher erlebt hat. Moritz Gieseke hat ein Programm auf die Beine gestellt, mit dem er keineswegs nur die Schüler und ihre Eltern ansprechen will, sondern alle Nordenhamer. Am Sonnabend von 12 bis 16 Uhr gibt es nicht nur die Ergebnisse einiger Projekte zu sehen. Darüber hinaus können sich die Besucher auf ein interessantes Kultur-Programm freuen. So gibt es Spontan-Theater von der Gruppe Bumerang aus Bremerhaven zu sehen. Neben der eigenen Schulband und der Band des Nordenhamer Gymnasiums kommt auch Jahnhallen-Chef Stefan Jaedtke mit einer Gruppe von jungen Musikern in die Förderschule. Für die jungen Besucher wird ein Bewegungsparcours und ein großes Angebot an Spielen vorbereitet, auch eine Hüpfburg ist dabei. Darüber hinaus können sich die Besucher Lose für eine Tombola kaufen. In den vergangenen Tagen waren Moritz Gieseke und seine Kollegen in der ganzen Stadt

unterwegs, um bei Gewerbetreibenden nach Sachspenden für die Tombola nachzufragen. Und sie hatten dabei großen Erfolg.

Einladung an jedermann

„Wir würden uns über möglichst viele Besucher freuen“, sagt Moritz Gieseke. Er hat die Hoffnung, dass viele Nordenhamer kommen, auch um sich einen Eindruck von der Arbeit zu machen, die an der Schule Am Siel geleistet wird. Darüber hinaus freut sich der Lehrer auch für seine Schützlinge, von denen viele nur selten die Gelegenheit haben, ein Improvisationstheater oder ein Live-Konzert zu erleben.